Fund in Jerusalem Facebook-Nutzer lösen Rätsel um vermeintlich antike Reliquie

Sechs Monate lang versuchte die israelische Altertumsbehörde, ein mysteriöses Objekt zu identifizieren. Dann startete sie einen Facebook-Aufruf - und das Rätsel war innerhalb von Stunden gelöst. Mit esoterischem Ergebnis.

Angebliche Reliquie: "Ein Isis-Beamer, ein Harmonizer"

Angebliche Reliquie: "Ein Isis-Beamer, ein Harmonizer"


Ein vergoldetes Zepter mit sieben Rillen, acht Kilo schwer, entdeckt auf einem Friedhof in Jerusalem. Was könnte das bloß sein? Diese Frage stellte sich die israelische Altertumsbehörde (IAA) - und fand ein halbes Jahr lang keine Antwort. Doch nun haben Facebook-Nutzer das Rätsel gelöst. Nun ist klar: Der Gegenstand war irrtümlich für eine antike jüdische Reliquie gehalten worden.

Laut Amir Ganor, IAA-Direktor für Diebstahlvermeidung, begann die Geschichte vor sechs Monaten. Die Polizei alarmierte demnach sein Büro, weil ein Hausmeister das vergoldete Zepter auf einem Jerusalemer Friedhof gefunden hatte. Er fürchtete offenbar, auf einen Sprengkörper gestoßen zu sein.

Die IAA röntgte den geheimnisvollen Gegenstand und untersuchte die Materialien. Er habe gegrübelt, ob das Zepter zu biblischen Zeiten in jüdischen Tempeln benutzt worden sein könnte, sagt Ganor. Auf dem Friedhof waren schon früher Relikte aus früheren Epochen - Römer, Byzantiner, Kreuzritter - gefunden worden. Aber nichts, was diesem Zepter ähnelte. Die Experten waren ratlos.

Und als die IAA ein halbes Jahr später immer noch keine Fortschritte in dem Fall gemacht hatte, veröffentlichte die Behörde ein Foto des Gegenstands auf Facebook. Verbunden mit der Bitte um Hilfe bei der Lösung des Rätsels.

**English translation below**שאפו לגולש מיכה ברק מאיטליה, ולכל מי שלקח חלק בפתרון תעלומת החפץ מבית הקברות הירושלמי!מ...

Posted by ‎רשות העתיקות - לגעת בעבר‎ on Dienstag, 22. Dezember 2015

Es gingen reichlich Vorschläge ein, wie der britische "Guardian" berichtete. Könnte das vergoldete Objekt ein Instrument zur Besamung von Kühen sein? Eine Art Nudelholz? Ein Teil einer Industriemaschine? Eine Massage-Hilfe? Oder doch eine Tempel-Reliquie?

Der entscheidende von etwa 300 Hinweisen kam nach wenigen Stunden: Ein Facebook-Nutzer identifizierte den Gegenstand als sogenannten Isis-Beamer - ein Gerät, das angeblich ein Schutzfeld vor elektromagnetischer Strahlung errichtet, ein "Harmonizer".

Das Objekt ist nach der ägyptischen Göttin Isis benannt. Vertrieben wird es von der deutschen Firma Weber Bio. Je nach Größe kostet der Isis-Beamer zwischen 67,50 und gut tausend Euro. Die Geräte sind laut Hersteller etwa bei Naturärzten, Heilpraktikern und Feng-Shui-Beratern beliebt.

"Die Weisheit der Vielen hat ihre Schuldigkeit getan", schrieb die IAA auf ihrer Facebook-Seite. Der Italiener Micah Barak sei derjenige gewesen, der das Rätsel als Erster gelöst habe. Als Dankeschön hat die Behörde den Mann nach Jerusalem eingeladen.

Eine Frage ist allerdings noch nicht beantwortet: Warum wurde das Objekt auf dem Friedhof vergraben? Die IAA hat diejenigen, die etwas darüber wissen, aufgerufen, sich bei der Behörde zu melden. Man würde gerne wissen, welchem der Verstorbenen der Isis-Beamer positive Energie spenden sollte.

wit/AP

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