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22. April 2006, 15:55 Uhr

Jet-Recycling

Eine Boeing als Eigenheim

Feminin und umweltfreundlich, so wünschte sich Francie Rehwald ihr neues Heim. Ihr Architekt hatte eine verblüffende Lösung: Er konstruierte ein Haus aus den Bestandteilen einer ausrangierten Boeing 747. Bald wohnt die Kalifornierin deshalb unter einem Flugzeugflügel.

Hamburg - Ursprünglich suchte der Architekt David Hertz für sein neuestes Projekt namens "Wing House" nur ein paar Flugzeugteile. So wollte er etwa einen Flugzeugflügel erstehen, um ihn zu einem Dach zu recyceln - schließlich erwarb er eine ganze Boeing 747.

"Als wir die Kosten analysierten, schien das sinnvoller", heißt es auf der Homepage des Architekten, der in den USA für ebenso originelle wie umweltfreundliche Gebäude bekannt ist. Rund 40.000 Dollar hat er für die Boeing 747-200 gezahlt, die einst für die inzwischen bankrotte Fluglinie Tower Air startete.

Der Architekt will möglichst viele der Teile für den Bau verwenden. Hertz vergleicht sich mit "Indianern, die jeden Teil des Büffels verwandt haben". In der Tat gibt es bei einer Boeing viel zu recyceln, so viel, dass Hertz die 747-200 etwas respektlos "große Aluminiumbüchse" nennt. Aus 4,5 Millionen Teilen besteht die Maschine dem Architekten zufolge, wie viele genau er davon zu verbauen gedenkt, verrät Hertz leider nicht.

Dafür kann man sich schon mal anschauen, wie das Flugzeug zerlegt wurde - und was daraus werden soll, wenn der Bau des Wing Houses wie geplant im Juni beginnt. Eine Computergrafik zeigt das Cockpit als Meditations-Pavillon. Ein Stück des Rumpfes soll zum Gästehaus werden.

Platz genug ist für die Hertz'schen Entwürfe: Das Grundstück seiner Auftraggeberin erstreckt sich in den Malibu Hills über 22 Hektar, auf so einer Fläche bringen deutsche Kleinstädte schon Mal einen Park unter. Wenn das Haus fertig ist, kann die Besitzerin nicht nur auf ein beeindruckendes Bergpanorama schauen, sondern auch auf den Pazifik.

Rehwald, deren Familie laut BBC eine der größten Mercedes-Niederlassungen Kaliforniens gehört, lernt nun auch noch eine Menge über die Tücken des ganz besonderen Flugzeugbaus. Um die Umbauarbeiten an dem Jumbo beginnen zu dürfen, benötigt sie Genehmigungen von 17 US-Behörden. Die Bauherrin erhielt unter anderem eine Aufforderung von der Luftfahrtbehörde: Das Gebäude müsse so gestaltet werden, dass es aus der Luft keinesfalls an ein abgestürztes Flugzeug erinnere.

str/AFP

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