J.K. Rowling auf Twitter Guter Snape, böser Snape

Held oder Bösewicht? Fans der Harry-Potter-Reihe sind sich bis heute nicht einig darüber, wo auf der Sympathieskala Professor Snape einzuordnen ist. Auf Twitter hat Autorin Joanne K. Rowling die Debatte nun neu angeheizt.

Benimmt sich fies, hat aber doch ein Herz: Severus Snape, gespielt von Alan Rickman.
Warner Bros.

Benimmt sich fies, hat aber doch ein Herz: Severus Snape, gespielt von Alan Rickman.


Acht Jahre sind vergangen seit Autorin Joanne K. Rowling die Harry-Potter-Saga mit dem letzten Buch der Serie zu Ende brachte. Dass das für viele Fans noch lange nicht genug Zeit ist, um mit der magischen Welt rund um den Jungen mit der Blitznarbe abzuschließen, zeigte sich heute Morgen erneut auf Twitter. Dort erhitzte Rowlings Antwort auf eine unschuldige Frage eines Fans die Gemüter.

Im Zentrum der Aufregung: Severus Snape, der fiese Hauslehrer aus Slytherin, dessen Lieblingsbeschäftigung es war, Harry das Leben schwer zu machen.

(Wer das letzte Buch der Serie noch nicht gelesen hat und auch mit dem Film nicht vertraut ist, der sollte an dieser Stelle wegklicken - und sich am besten direkt auf den Weg in das nächste Büchergeschäft machen.)

Joanne K. Rowlings "Harry Potter"-Saga ist die erfolgreichste Buchreihe der Geschichte.
Corbis

Joanne K. Rowlings "Harry Potter"-Saga ist die erfolgreichste Buchreihe der Geschichte.

Die Twitter-Aufruhr begann mit einer Frage von Nutzerin FrazzyJazzy7 an Rowling: "Warum haben Sie sich dazu entschieden, Harrys Kind nach Snape zu benennen? Ich bin wirklich neugierig. Er hat doch jeden nur malträtiert."

Damit bezog sich FrazzyJazzy7 auf den Epilog des letzten Buchs, der einige Jahre nach den Ereignissen in Hogwarts spielt und Harry mit seinem jüngsten Sohn zeigt. Der Name des Jungen: Albus Severus Potter - benannt nach Schulleiter Albus Dumbledore und Severus Snape.

Rowling, die dafür bekannt ist, sich auf Twitter rege mit ihren Fans auszutauschen, antwortete prompt: "Snape ist aus Liebe zu Lily für Harry gestorben. Harry hat ihm in Vergebung und Dankbarkeit Tribut gezollt." Lily Potter war Harrys Mutter, in die Snape sein Leben lang verliebt war.

Simple Antwort, große Wirkung. Rowlings "Timeline explodierte", wie die Autorin auf Twitter schrieb. Nutzer CaptPlanet wunderte sich über das Wort Vergebung. Schließlich sei doch am Ende herausgekommen, dass Snape Harry die ganze Zeit nichts Böses gewollt habe. Rowling antwortete: "Ich fürchte, das stimmt so nicht. Snape hat seinen Hass gegenüber James auf Harry projiziert."

Die Autorin weiter: "Snape ist grau. Man kann ihn nicht zu einem Heiligen machen: Er war rachsüchtig und hat gemobbt. Man kann ihn aber auch nicht zum Teufel machen: Er ist gestorben, um die magische Welt zu retten."

Grauzone? Von wegen. Der Mittelweg, den die Autorin einschlägt, ist für viele Fans keine Option. "Snape ist das perfekte Beispiel für Menschlichkeit", ließ die Pro-Snape-Fraktion verlauten. Und: "Snape ist der Beste!"

Das sieht die Anti-Snape-Fraktion anders: "Nur weil Snape für Harry gestorben ist, entschuldigt das nicht Jahre der Misshandlung."

Snape ist der wohl umstrittenste Charakter der Potter-Welt - und der beliebteste, wie der Bloomsbury-Verlag 2011 in einer weltweiten Umfrage ermittelte.

Twitter-Kontroversen rund um das Harry-Potter-Universum sind für Rowling nichts Neues. Immer wieder verteidigt die Autorin zum Beispiel die Homosexualität des Charakters Albus Dumbledore. Ihn hatte sie nach Abschluss der Buchreihe 2007 geoutet.

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sponskinny 27.11.2015
1. unsympathischer Held
Das ist wie mit Judas damals, egal ob symphatisch oder nicht, hatten beide eine große Aufgabe, nämlich a) eine Religion zu starten oder b) den noch unsympathischeren Malfoy-Junior vom töten abzuhalten. Beide Morde bringen keine Sympathiepunkte, waren aber wichtig.
gumbofroehn 27.11.2015
2. Ja, wer hat Snape ...
... in den ersten sechs Büchern nicht gehasst? Aber das letzte Buch macht aus ihm in der Gesamtschau einfach einen ambivalenten Charakter.
schmidthomas 27.11.2015
3. Ich hab`schon mal die Cola und das Popcorn...
bereitgestellt, die Beine auf dem Tisch und freue mich über alle Kommentare. Ein wahnsinnig wichtiges Thema,.......... für Psychologen und Hobbypsychiater.
Ossifriese 27.11.2015
4. The good Snape
Eigentlich wollte ich ankreuzen: Ich lese doch keine Kinderbücher. Hab ich auch nicht, aber die Filme doch angesehen. Und ich fand sie sehr phantasievoll und unterhaltsam. Was Snape angeht, so habe ich dessen Sein immer als notwendigen letzten Joker in nächster Nähe zu dem, dessen Namen man nicht ausspricht, gesehen. Dort von Anfang an von den Guten als Undercover-Agent platziert und letztlich erfolgreich eingesetzt. Also war er ein Guter.
des_pudels_kern 27.11.2015
5. Am Ende war er einfach zu sehr gut...
Eigentlich war er für mich vom ersten Buch an Sympathieträger. (im Gegensatz zu einem Harry, der sich ja anscheinend alles herausnehmen darf...) Schade nur, dass eben jener Harry am Ende überleben darf und der Leser sich durch einen unendlich kitschigen Epilog quälen muss, ein Severus Snape (der als wirklich zwischen den Welten wandelnder, auf seinen eigenen Vorteil bedachter Doppelagent viel viel cooler gewesen wäre) aber tot ist...
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