Johann Westhauser aus Höhle gerettet Und was kostet das jetzt?

Hunderte Einsatzkräfte, Klettermaterial, Proviant, Hubschrauber, Fahrzeuge - die spektakuläre Rettung des verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser wird nicht ganz billig. Wer muss die Aktion bezahlen?

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Bergwacht Bayern

Berchtesgaden/Hamburg - Fast zwölf Tage dauerte es, bis der verunglückte Höhlenforscher Johann Westhauser wieder Tageslicht erblickte. Hunderte Rettungskräfte arbeiteten Tag und Nacht daran, den 52-Jährigen sicher durch die steilen, verwinkelten, glitschigen Schächte der Riesending-Höhle hinaufzubefördern. Die Retter sprachen von einer "Mammutaufgabe". Nun, da Westhauser in Sicherheit ist und sein Schädel-Hirn-Trauma in einer Klinik behandelt wird, wendet sich die Aufmerksamkeit auch der Kostenfrage zu. Wer bezahlt die dramatische Rettungsaktion des Wissenschaftlers und vor allem: Was kostet sie?

Eine Kostenprognose will die Bergwacht Bayern derzeit nicht abgeben. "Das ist alles noch überhaupt nicht überschaubar", sagte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE. Auch das bayerische Innenministerium will sich noch nicht äußern.

Spekulationen, wonach es sich um mehr als eine Million Euro handeln soll, hält Friedhart Knolle, Sprecher des Verbands der deutschen Höhlen- und Karstforscher (VDHK), für völlig übertrieben. "Es sind ja nicht nur die Materialkosten, sondern auch der Zeiteinsatz der Ehrenamtler", sagt Knolle.

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Rettung von Johann Westhauser: Wer soll das bezahlen?
Die Vorgehensweise in einer solchen Situation ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. Bayern unterstützt die Bergwacht nach Artikel 33 des Bayerischen Rettungsdienstgesetzes. Zum einen bei den Kosten für Material wie Fahrzeuge sowie Rettungs- und Funktechnik für die Berg- und Höhlenrettung. 2013 übernahm Bayern nach Informationen von SPIEGEL ONLINE 2,62 Millionen Euro.

Zum anderen kommt das Land für die Lohnfortzahlungen und die Erstattung von Verdienstausfällen der ehrenamtlichen Helfer auf. "Im aktuellen Einsatz wären dann die Lohnfortzahlung und Erstattung des Verdienstausfalls aller vor Ort ehrenamtlich Tätigen durch den Freistaat Bayern zu ersetzen", teilte das bayerische Innenministerium SPIEGEL ONLINE mit. Eine Art "Notfall-Etat" für aufwendige Rettungsaktionen gibt es laut der Behörde nicht - dafür bestehe kein Bedarf.

Hier einige Daten, die die Bergwacht Bayern bereits zur Rettungsaktion bekanntgegeben hat.

  • Rettungskräfte: 728 Einsatzkräfte aus fünf Ländern waren an der Rettungsaktion beteiligt. "Die besten der Höhlenrettung aus Europa", wie Einsatzleiter Klemens Reindl sagte. 202 Retter waren in der Höhle, davon 42 Österreicher, 24 Schweizer, 89 Italiener, 20 Kroaten und 27 Deutsche. Außerdem waren Mitglieder der deutschen Bundeswehr, Polizei, Feuerwehr, Mitarbeiter des bayerischen Roten Kreuzes sowie die österreichische Flugpolizei und der Malteser Hilfsdienst im Einsatz.

  • Einsatzdauer: "Es ist die größte und längste Rettungsaktion in der Geschichte der Bergwacht Bayern", erklärte der bayerische Innenminister Joachim Hermann. Das heißt konkret: elf Tage, zehn Stunden und einige Minuten - insgesamt rund 274 Stunden Einsatz.

  • Zum Vergleich: Eine normale Rettungsaktion, wie sie meist bei Übungen durchgeführt wird, kostet im Durchschnitt 30.000 Euro. Die Rettung Westhausers ist einmalig in der deutschen Alpin-Geschichte. Als Ende der Siebzigerjahre vier Höhlentaucher aus dem sogenannten Mordloch in der Schwäbischen Alb im Kreis Göppingen gerettet werden mussten, waren über zwei Tage lang 160 Helfer im Einsatz. Höhe der Rettungskosten damals: rund 23.000 D-Mark (etwa 12.000 Euro).

Es habe sich als Glücksfall erwiesen, dass man in den vergangenen Jahren so viel investiert habe, sagte Innenminister Hermann nun nach der Rettung des Wissenschaftlers. Allein für den Zeitraum von 2011 bis 2015 seien 25 Millionen Euro vorgesehen - darunter auch in die Spezialausstattungen für die jetzige Höhlenrettung.

Wer das Ganze bezahlt, ist noch unklar. Zunächst müsse geklärt werden, wie Westhauser versichert sei, sagt VDHK-Sprecher Knolle. Die einsatzleitende Bergwacht Bayern stellt eine Rechnung auf - bis ein Ergebnis vorliegt, dauert es einem Sprecher zufolge aber noch. Dann wird laut Knolle die rechtliche Lage geklärt, etwa wie der Unfall konkret ablief. Das Staatsministerium entscheidet, wem es die Kosten in Rechnung stellen will, ob es beispielsweise einen Teil oder gar die ganzen Kosten übernimmt, oder - beispielsweise im Fall eines gravierenden Fehlers - Westhauser belangt. "Das halte ich allerdings für absolut unwahrscheinlich", sagt Knolle. "Westhauser ist ein äußerst seriöser Höhlenforscher."

Der VDHK, wo auch Westhauser Mitglied ist, empfiehlt Höhlenforschern eine private Unfallversicherung, die explizit Unfälle beim Bergsteigen beinhaltet - extra Policen für Höhlenforscher gibt es nicht. Der Verein hat daher 1995 selbst einen Solidaritätsfonds eingerichtet. "Weil übliche Versicherungen die anfallenden Kosten leider nicht immer ganz decken", sagt Knolle. Sollte, nachdem die Rechts- und Versicherungslage geklärt ist, ein offener Betrag bleiben, würde der Verein laut Knolle zumindest einen Teil davon übernehmen - sofern Westhauser eingezahlt hat und einen Antrag stellt. Derzeit sind 37.000 Euro in der Kasse. Es wäre das erste Mal, dass der Fonds angerührt würde.

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Seite 1
nemensis_01 19.06.2014
1. Es ist eine
Sauerei. Man hätte ja ruhig noch drei Kompanien der Bundeswehr, die Uno und Natotruppen anfordern können. Immer diese Kleingeisterei.
ziegenzuechter 19.06.2014
2.
hiermit protestiere ich gegen die verwendung meiner steuergelder fuer diese rettung. weder diese angebliche hoehlenforschung noch die voellig ueberzogene rettungsaktion mit 700 helfern geschahen in meinem interesse.
imZweifel-richtig 19.06.2014
3. Es wird teuer,
aber Unfälle passieren nun einmal. Das Land wird in Vorleistung treten. Die Bergwacht ist ja auch nur Konsequenz aus dem Tourismusgeschäft und den damit verbundenen Einnahmen.Seriöse Höhlenforschung ist wichtig und müsste ansonsten auch finanziert werden. Und: wenn Deutschland mal so eben erklärt, zusätzlich x-tausend Flüchtlinge aufzunehmen, erwartet auch niemand, dass die Kosten sofort auf Heller und Pfennig beziffert werden.
lagerbaer 19.06.2014
4.
Die Kosten solcher einzelnen Rettungsaktionen klingen zwar oft horrend und spektakulär, sind aber eine lachhaft kleine Belastung für Steuerzahler und/oder Versicherte im Vergleich zu den versteckten Kosten eines ungesunden Lebensstils mit Alkohol- und Tabakkonsum und wenig sportlicher Betätigung.
doppelpost123 19.06.2014
5.
Zitat von sysopAP/dpaHunderte Einsatzkräfte, Klettermaterial, Proviant, Hubschrauber, Fahrzeuge - die spektakuläre Rettung des verletzten Höhlenforscher Johann Westhauser wird nicht ganz billig. Wer muss die Aktion bezahlen? http://www.spiegel.de/panorama/rettung-von-hoehlenforscher-im-riesending-was-kostet-der-einsatz-a-976185.html
Geld, Geld über alles, über alles in der Welt. Es ist echt abartig.
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