Johannes Strassmann "Er wollte sich eine Auszeit nehmen"

Johannes Strassmann war einer der bekanntesten Poker-Profis Deutschlands. Jetzt ist er tot. Wegbegleiter erinnern sich an einen aufrichtigen, zielstrebigen Kollegen.

Facebook-Seite zum Verschwinden Strassmanns: Auf der Suche nach sich selbst
facebook/ Missing Johannes Strassmann

Facebook-Seite zum Verschwinden Strassmanns: Auf der Suche nach sich selbst

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Johannes Strassmann ist tot, das steht mit Sicherheit fest. Es war seine Leiche, die Polizisten vor einigen Tagen aus dem Ljubljanica-Fluss im slowenischen Ljubljana gezogen hatten und die sie zunächst nicht hatten identifizieren können. Nicht nur auf der Facebook-Seite, die Freunde anlässlich des Verschwindens des prominenten Poker-Spielers eingerichtet hatten, wird seither über die Umstände seines Todes gerätselt.

Was ist mit dem 29-Jährigen passiert, nachdem er die Gruppe, mit der er am vergangenen Samstagabend unterwegs war, verlassen hatte? Die Polizei schließt ein Verbrechen aus, heißt es.

Für den österreichischen Poker-Profi Markus Golser, einen der Wegbegleiter Strassmanns in der Poker-Welt, ist diese Ungewissheit das Schlimmste. "Ich hoffe, dass man bald Genaueres weiß." Golser hatte Strassmann 2007 bei der European Poker Tour in Prag kennengelernt - am Pokertisch, wo sonst. "Johannes hat mich einfach angesprochen", sagt Golser. Das sei Strassmanns Art gewesen. Zielstrebig sei er gewesen, sehr ehrgeizig und kontaktfreudig, "und er war ein sehr aufrichtiger Mensch", das habe ihm gefallen.

Trainer der Stars

Strassmann, der in Bonn geboren wurde und dann nach Wien zog, um professionell Poker zu spielen und später Stars der Szene wie Pius Heinz trainierte, gründete mit Golser 2012 die Online-Pokerschule CardCoaches. Die beiden trennten sich allerdings nach einigen Monaten wieder. Es habe geschäftliche Probleme gegeben, sagt Golser, die Ausgaben seien viel höher gewesen, als beide erwartet hätten. "Aber privat haben wir uns immer gut verstanden."

Vor zwei Monaten hat Golser Strassmann zuletzt gesehen. "Johannes hatte mich angerufen. Wir haben uns zum Essen getroffen und stundenlang geredet." Dabei hätten sie letzte Unstimmigkeiten von früher ausgeräumt. "Ich frage mich jetzt manchmal schon, ob er eine Vorahnung hatte damals", sagt Golser. "Ob er das noch regeln wollte, solange er noch auf der Erde war."

Dass Strassmann sich etwas angetan haben könnte, hält er für unwahrscheinlich. "Johannes hat mir erzählt, dass er eine Weltreise machen wollte. Er war immer viel unterwegs, aber nur über Poker. Jetzt wollte er so herumreisen, Freunde treffen - seine Mitte finden. Das war sein Ziel." Strassmann habe sich in den vergangenen Monaten viel mit Meditation beschäftigt, und auch nach Slowenien habe ihn ein solches Seminar geführt, das er sogar leiten wollte. Danach wollte er nach Kroatien, soweit Golser das erinnert, und später nach Amerika.

Eine Auszeit vom Poker

"Er wollte sich eine Auszeit vom Poker nehmen", sagt Sandra Naujoks, die mit Strassmann fünf Jahre lang für den Sponsor PokerStars spielte. Strassmann sei ein besonderer Poker-Spieler gewesen. "Er spielte nicht wie andere für sein Ego oder seine Gegner. Er wollte das Spiel ganzheitlich verstehen", sagt Naujoks. "Und er hatte die Disziplin, die man braucht, um ein großes Turnier durchzustehen." Dass er eine Pause einlegen wollte, habe sie gut verstehen können.

"Das klingt immer alles nach einem tollen Leben, Jetset, aber es ist auch sehr anstrengend, wenn man einen solchen Vertrag hat", sagt Naujoks. "Man ist immer unterwegs, sieht Freunde und Familie nur selten, hat wenig Zeit fürs Privatleben. Und die Wohnung benutzt man nur, um seine Koffer unterzustellen." Außerdem sei der Druck sehr hoch, schließlich liege das Startgeld häufig bei 5000 bis 25.000 Euro. "Das ist eine hohe psychische Belastung."

Mit Alkohol oder anderen Drogen habe Strassmann seines Wissens aber nie viel zu tun gehabt, sagt Golser. "Johannes war Sportler durch und durch." Er habe mehrmals die Woche trainiert, Mixed Martial Arts, Fitnessstudio, Yoga, Laufen. Wenn sie unterwegs waren, habe er den ganzen Abend meistens nur Wasser getrunken.

"Ich habe die ganze Zeit noch die Hoffnung gehabt, er sitzt vielleicht noch in seinem Seminar, ohne Kontakt zur Außenwelt", sagt Golser. "Ich hoffe, die Ungewissheit ist bald vorbei." Sandra Naujoks und die anderen Teamkollegen wollen Strassmann nun die letzte Ehre erweisen - um sich zumindest auf der Beerdigung von ihm verabschieden zu können.

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
Wellness 29.06.2014
1. Verwundert
Ich bin schon etwas verwundert warum die Deutsche Staatsanwaltschaft nicht schon längst ermittelt.Dazu noch die vorrauseilende Meldung das kein Verbrechen begangen worden ist.Da es Parallelen zwischen Hochhuth und Strassmann gibt beide sind unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Die Eltern wären gut beraten eigene Ermittlungen anzustellen
germanico 29.06.2014
2.
Sicher ein tragischer Fall, aber warum muss ein Artikel ueber einer der breiten Oeffentlichkeit gaenzlich Unbekannten so prominent platzier werden, zumal es sich offenbar nicht um eine Verbrechen handelt?
steve_burnside 29.06.2014
3.
Zitat von germanicoSicher ein tragischer Fall, aber warum muss ein Artikel ueber einer der breiten Oeffentlichkeit gaenzlich Unbekannten so prominent platzier werden, zumal es sich offenbar nicht um eine Verbrechen handelt?
[QUOTE=germanico;16033768] ...aber warum muss ein Artikel ueber einer der breiten Oeffentlichkeit gaenzlich Unbekannten so prominent platzier werden.../QUOTE] Also unbekannt war er jetzt auch nicht gerade. Bei den Fernsehübertragungen auf Sport1 war er regelmässig dabei.
MartinS. 29.06.2014
4. ...
Zitat von germanicoSicher ein tragischer Fall, aber warum muss ein Artikel ueber einer der breiten Oeffentlichkeit gaenzlich Unbekannten so prominent platzier werden, zumal es sich offenbar nicht um eine Verbrechen handelt?
Und was genau erwarten sie? SPON ist eines dieser kostenlosen Online-Medien, die sich finanzieren, indem sie möglichst viele Seitenzugriffe produzieren. Und die bekommt man nun mal am ehesten dann, wenn mehrfach täglich frischer Content eingebracht wird. Der Nutzer will Nachrichten - und das nicht nur einmal am Tag, sondern stündlich neue Inhalte... und das möglichst auch noch über alle Kategorien gestreut. Prangern sie jetzt eigentlich an, dass niemand prominenteres verstorben ist, um größere News fürs Panorama zu haben?
horstma 29.06.2014
5. Kein Verbrechen?
Zitat von WellnessIch bin schon etwas verwundert warum die Deutsche Staatsanwaltschaft nicht schon längst ermittelt.Dazu noch die vorrauseilende Meldung das kein Verbrechen begangen worden ist.Da es Parallelen zwischen Hochhuth und Strassmann gibt beide sind unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Die Eltern wären gut beraten eigene Ermittlungen anzustellen
Das sehe ich auch so. Man stelle sich das vor: Eine Wasserleiche ist in so einem Zustand, daß bei der Identifizierung nur noch eine DNA-Analyse weiterhilft. Wie kann man da ein Verbrechen von vornherein kathegorisch ausschliessen? Sind das Hellseher? Aber schon klar. Die dortigen Behörden wollen sich nicht mit einem toten Ausländer herumschlagen. Das bedeutet nur Arbeit und Ärger, siehe der Fall Peggy in Portugal. Eigene Ermittlungen im Ausland sind schwierig. Wenn die dortigen Behörden beschliessen, daß nicht ermittelt wird, wird schon garnicht durch Ausländer ermittelt.
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