Jolo Auch Reporter gerieten in Geiselhaft

Die Abu-Sayyaf-Rebellen, die seit sechs Wochen auf der philippinischen Insel Jolo 21 Menschen als Geiseln halten, haben vorübergehend offenbar auch elf Journalisten gefangen genommen - darunter mehrere ZDF-Mitarbeiter. Ihnen soll mit Erschießung gedroht worden sein.


Rebellenführer Commandante "Robot"
AP

Rebellenführer Commandante "Robot"

Manila/Jolo - Nach zwölf Stunden seien die Reporter aber gegen ein Lösegeld in Höhe von insgesamt rund 50.000 Mark frei gekommen. Unter den weiterhin festgehaltenen 21 Geiseln wächst die Verzweiflung über den weiteren Ausbau ihres Lagers durch die Abu-Sayyaf-Rebellen. Einige haben jetzt mit Selbstmord gedroht.

Die Verhandlungsdelegation der philippinischen Regierung rechnet nach eigenen Angaben nicht vor kommender Woche mit neuen Gesprächen über die Freilassung der vor sechs Wochen in Malaysia entführten Geiseln.

Die Ärzte, die das Geisel-Lager am Freitag besuchten, beschrieben den Zustand der Gefangenen als schwer depressiv. Die Geiseln seien kaum noch ansprechbar. Eine der Geiseln, eine schwangere Südafrikanerin, kündigte im ZDF an, sie werde in der kommenden Woche in einen Hungerstreik treten. Sie benötige ärztliche Betreuung und könne nicht einfach herumsitzen und warten.

"Wir wollen hier so schnell wie möglich raus - und ich hoffe nicht, dass wir dazu Selbstmord begehen müssen", sagte die finnische Geisel Risto Mirco Vahanen zu den Ärzten. Die Ärzte wurden von Zimmerleuten der Rebellen begleitet, die eine neue Holzhütte für die Geiseln errichteten. Die libanesische Geisel Marie Moarbes reagierte schockiert: Dies bedeute, dass sie noch wochenlang gefangen blieben, sagte sie. Die Ärzte brachten den Geiseln Medikamente, Nahrungsmittel und Kassetten mit Popmusik.

Verhandlungskreisen zufolge verlangten die Entführer für die Freilassung der kranken Deutschen Renate Wallert rund zwei Millionen Mark. Derzeit werde geprüft, ob die gesamte Führung der Gruppe Abu Sayyaf (Vater des Schwerts) hinter dieser Forderung stehe, die ein Abgesandter der Geiselnehmer überbracht habe, hieß es. Auch sei unklar, ob dieselbe Summe auch für jede der übrigen Geiseln gelten solle. Provinz-Gouverneur Abdusakur Kan, der zur Verhandlungsdelegation der philippinischen Regierung gehört, sagte dagegen, es sei kein Lösegeld gefordert worden. Chefunterhändler Roberto Avantajado sagte, Abu Sayyaf verlange vor neuen Gesprächen, dass die Regierung die Gewässer um Jolo für ausländische Fischer und größere Fischerboote sperre.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.