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Misshandlungsvorwürfe: Umstrittene Haasenburg-Heime werden geschlossen

Haasenburg-Heim in Jessern (Archiv): "Nicht reformierbar" Zur Großansicht
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Haasenburg-Heim in Jessern (Archiv): "Nicht reformierbar"

Die Kinder- und Jugendheime der Haasenburg GmbH werden nach Misshandlungsvorwürfen geschlossen. Das teilte Brandenburgs Jugendministerin Martina Münch mit. Zuvor war eine Untersuchungskommission zu erschreckenden Ergebnissen gekommen.

Potsdam - Nach Misshandlungsvorwürfen wird das Land Brandenburg die Kinder- und Jugendheime der umstrittenen Haasenburg GmbH schließen. Das teilte Jugend- und Bildungsministerin Martina Münch (SPD) mit.

Das Ministerium reagiert damit auf die Ergebnisse, die eine von Münch eingesetzte Untersuchungskommission zutage gefördert hatte. Laut "taz" und "Berliner Morgenpost" stellten die Experten schwere Missstände in den Heimen fest: Es gebe erheblichen Reformbedarf in nahezu allen Bereichen, hieß es. "Ich halte die Einrichtungen der Haasenburg GmbH deshalb für nicht reformierbar", sagte Münch. Nach gründlicher Prüfung gebe es "keine Alternative zu einer Schließung". Der Entzug der Betriebserlaubnis soll noch im November erfolgen.

Die Kommission empfiehlt laut "taz" einen "Wechsel der Trägerschaft", ein "Ausscheiden aller Führungskräfte, die länger als vier Jahre in den Einrichtungen der Haasenburg GmbH beschäftigt sind", eine "dauerhafte Stilllegung der Einrichtung in Jessern" sowie eine "rechtliche Prüfung, ob wegen des Verstoßes gegen Auflagen des Landesjugendamtes die Betriebserlaubnis für Einrichtungen zurückgenommen werden muss".

In ihrem Bericht fordern die Experten zudem ein Verbot sogenannter Anti-Aggressions-Maßnahmen "und anderer körperlichen Zwangsmaßnahmen". Es gebe Hinweise "auf die Verletzung von Grundrechten" in den Heimen.

Versagen bei der Kontrolle der Heime

Laut "Berliner Morgenpost kritisiert die Untersuchungskommission weiter das rigide pädagogische Konzept der Einrichtungen, die Erziehungsmethoden und die Personalausstattung. So seien bis 2013 teilweise weniger pädagogische Mitarbeiter eingesetzt gewesen als in der Betriebserlaubnis vorgesehen.

Der Untersuchungsbericht bescheinigt den Jugendämtern und dem Jugendministerium Versagen bei der Kontrolle der Heime. Die Behörden hätten nach ersten Berichten bereits früher und konsequenter gegen den Betreiber vorgehen können. Münch stellte eine Reform der Heimaufsicht in Aussicht.

Bereits seit längerem gibt es schwerwiegende Vorwürfe wegen Misshandlung von Kindern und Jugendlichen in den Heimen. Mehrere Ausreißer berichteten von Demütigungen und körperlicher Gewalt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in mehreren Fällen.

Ministerin Münch sagte, der Umgang des Betreibers mit einem erheblichen Teil der dort untergebrachten Kinder und Jugendlichen sei "hochproblematisch". Die eingewiesenen Minderjährigen stünden unter einer "latenten Gefährdung durch jederzeit mögliche körperliche Zwangsmaßnahmen".

Münch hatte bereits den Aufnahmestopp im Juli damit begründet, wegen der Fülle und Schwere der Vorwürfe gegen die Haasenburg-Heime sei es nicht zu verantworten, weitere Kinder und Jugendliche dort unterzubringen. In Haasenburg-Heimen wurden von den Jugendämtern Minderjährige unter anderem aus Berlin, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen untergebracht.

In einer Stellungnahme auf der Website der Haasenburg GmbH heißt es, man begrüße die Fertigstellung des Berichts der Untersuchungskommission. Das Unternehmen bedaure jedoch, den Text noch nicht zur Einsicht bekommen zu haben. "Es ist uns daher nicht möglich, zum Inhalt im Allgemeinen oder zu Details zum jetzigen Zeitpunkt Stellung zu nehmen."

rls/AFP

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