Berlin - Die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke-Katrin Scheuten, bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, ihre Behörde stehe im Kontakt mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) wegen deren Ermittlung in einem Fall der Verbreitung von Atomtechnologie, die ein Geheimdienst betreibe. Details nannte sie nicht. Ein mit dem Fall vertrauter EU-Diplomat sagte, den etwa acht Deutschen werde vorgeworfen, sie hätten den Geheimdiensten Irans und Libyens bei der Beschaffung Zentrifugen und anderer Atomtechnologie geholfen, die westliche Staaten dem Land nicht liefern wollten. Einige von Ihnen säßen bereits in Untersuchungshaft. Gegen die Männer, die in Deutschland, Südafrika und der Schweiz lebten, würden Anklagen vorbereitet.
Mit Zentrifugen kann Uran für Atomkraftwerke oder -waffen angereichert werden. Die Europäische Union (EU), die USA und andere Staaten verdächtigen den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Programms Atomwaffen zu entwickeln.
Nach Angaben des Diplomaten haben die Verdächtigen Verbindungen zum so genannten "Khan-Netzwerk", einem Schwarzmarkt für Atomtechnologie, der nach dem Vater der pakistanischen Atombombe, Abdul Kadir Khan, benannt ist. Der inzwischen in Ungnade gefallene Khan hat zugegeben, Nordkorea, den Iran und Libyen mit geheimen Informationen über atomare Technologie versorgt zu haben. Die Beteiligung von Deutschen an dem Netzwerk war zwar bereits bekannt. Die Ermittlungen hätten aber Hinweise auf ein noch größeres Ausmaß deutscher Beteiligung gebracht, sagten Diplomaten. Nach Angaben eines Diplomaten haben auch Bürger anderer europäischer Staaten zum iranischen Atomprogramm beigetragen, darunter Franzosen, Belgier, Schweizer und Briten.
Der frühere UN-Waffeninspektor David Albright begrüßte die deutschen Ermittlungen. "Ich sehe darin überhaupt keine Anklage gegen Deutschland", sagte Albright, der inzwischen das Washingtoner Institute for Science and International Security leitet. Die Ermittlungen zeigten eher, wie entschlossen Deutschland diesen Dingen nachgehe. "Einige von diesen Leuten sind abgebrühte Verbrecher, die entschlossen waren, ihr Geschäft zu machen", sagte Albright zu Reuters. Nach Angaben von Diplomaten sind die formalen Anklagen gegen die Verdächtigen noch nicht fertig. Gegenwärtig würden noch Beweise gesammelt. Zudem sei die Auslieferung der im Ausland lebenden Deutschen schwierig. Sie sollten des Verrats angeklagt werden.
Im Januar klagten Ermittler zwei Deutsche der Spionage an, die nach Angaben von Diplomaten und Geheimdienstmitarbeitern dem Iran bei Entwicklung von Raketen geholfen haben sollen. Die Raketen könnten atomare Sprengköpfe transportieren. Im September 2004 wurden der in Südafrika lebende Deutsche Gerhard Wisser und sein Schweizer Kollege Daniel Geiges festgenommen. Ihnen werfen die Ermittler in Südafrika eine Verbindung zum Khan-Netzwerk vor. Sie sitzen seither in Haft.
mik/reuters
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