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26.08.2006
 

Fall Natascha

Entführer plante Tat über Monate

Im Fall Natascha kommen immer mehr Einzelheiten des grausamen Verbrechens ans Licht. Der Täter hatte die Entführung der heute 18-Jährigen, die sich am Mittwoch nach acht Jahren Gefangenschaft befreien konnte, über Monate oder gar Jahre penibel vorbereitet.

Wien – Nach den bisherigen Ermittlungen spricht alles dafür, dass der Täter Wolfgang P. die Tat langfristig geplant hat, berichtete der Wiener "Kurier". Das Tatfahrzeug, einen weißen Mercedes-Lieferwagen, habe er ein Jahr vor der Entführung gekauft. Auch die Aushubarbeiten für das perfekt versteckte winzige Verlies hatte er Medienberichten zufolge bereits lange vor dem Verbrechen abgeschlossen.

Verlies unter der Garage: Acht Jahre war Natascha hier eingesperrt
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REUTERS

Verlies unter der Garage: Acht Jahre war Natascha hier eingesperrt

Die "Salzburger Nachrichten" berichteten unter Berufung auf den Leiter der mit dem Entführungsfall befassten Sonderkommission, Nikolaus Koch, dass Umbauten in der Garage schon Anfang und Mitte der neunziger Jahre stattgefunden hätten. "Ob das damals schon so ausgesehen hat wie jetzt, wissen wir nicht", sagte Koch. "Er hat immer herumgebastelt, der hatte eine ewige Baustelle", gab eine Nachbarin an. Kontrollen der Baupolizei während dieser Zeit blieben nach Medienberichten folgenlos. Ein Ermittler sagte dem "Kurier": "Ohne Nataschas exakte Angaben hätten wir das Verlies niemals gefunden, nicht einmal bei einer Hausdurchsuchung".

Die heute 18-jährige Natascha Kampusch war am Mittwoch nach acht Jahren Gefangenschaft die Flucht gelungen. Den Täter, den 44-jährigen gelernten Nachrichtentechniker P., scheint kaum jemand gekannt zu haben: "Er war eher ein Phantom im Ort", sagte der Postzusteller von Strasshof den "Salzburger Nachrichten".

In dem kleinen Ort knapp 20 Kilometer nördlich von Wien hatte kaum jemand Kontakt zu dem Mann, der sich Stunden nach der Flucht seines Opfers das Leben nahm. Die Nachbarn seien ihm immer nur flüchtig begegnet. P. stehe nicht im Telefonbuch, schrieben die "Salzburger Nachrichten" weiter. Die Festnetzanschlüsse seines Hauses in Strasshof, wo er Natascha acht Jahre lang in einem knapp zwei mal drei Meter großen dunklen Verlies unter der Garage festgehalten hatte, und einer Zweitwohnung in Wien waren auf seine Mutter angemeldet. Auch einen Lieferwagen und ein sportliches Auto hatte der Mann auf den Namen seiner Mutter zugelassen, hieß es weiter.

Spekulationen um Komplizen

Seine berufliche Tätigkeit als Co-Geschäftsführer einer Firma, die auf Renovierung und Sanierung spezialisiert war, habe Priklopil als Tarnung für seine ständige Bautätigkeit am eigenen Haus gedient. Sein Geschäft verschaffte ihm auch ein Alibi, als er wenige Wochen nach der Tat ins Visier der Ermittler geriet, die Hunderte von Besitzern baugleicher Lieferwagen überprüften. Seine Erklärung, er müsse Bauschutt transportieren, war so glaubhaft, dass er nicht weiter verdächtigt wurde.

Nach wie vor halten Spekulationen über einen möglichen Mitwisser oder Komplizen an. Nach Angaben der Nachbarn machte der Täter jedes Jahr ein oder zwei Mal Urlaub und war immer wieder über mehrere Tage abwesend. Ob er sein Opfer während dieser Zeit allein ließ, war am Wochenende unklar. Das entführte Mädchen hatte er bisherigen Erkenntnissen zufolge unter ständiger Kontrolle. Er soll ihm anfangs auch weisgemacht haben, seine Eltern seien nicht bereit, Lösegeld zu zahlen.

Das Entführungsopfer wird auf eigenen Wunsch weiter von der Umwelt abgeschirmt. Von den Medien fühle Natascha sich bedrängt, sagte ihre Betreuerin dem österreichischen Rundfunk ORF: "Sie hat gefragt, warum können die nicht warten, bis ich ihnen meine Geschichte erzählen kann?" Nach Angaben der Polizei ist sie mit ihrer Betreuerin in einem Sanatorium untergebracht. Auf Anraten der Ärzte wurde ihr eine Ruhephase eingeräumt. Sie soll frühestens am Montag wieder vernommen werden.

phw/dpa

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