Bremen - Das Kind sollte am Morgen in staatliche Obhut genommen werden, weil es mangelhaft versorgt worden sein soll. In der Wohnung des Vaters in Bremen-Gröpelingen entdeckten die Polizei und Mitarbeiter des Jugendamtes die Leiche des Kindes. Der ein Jahr und zehn Monate alte Junge soll im Kühlschrank gelegen haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit.
Die Leiche des Kindes werde zur Zeit obduziert, um die Todesursache festzustellen. Gegen den drogensüchtigen Vater werde ermittelt, sagte ein Polizeisprecher. Die Mutter des Kindes ist nach Angaben der Behörden tot. Unklar ist, wann genau der Junge starb. Es sei nicht auszuschließen, dass die Leiche schon länger im Kühlschrank gelegen habe, sagte ein Polizeisprecher.
"Es muss geklärt werden, inwiefern es in der zuständigen Behörde Fehleinschätzungen zu dem Fall gegeben hat", sagte Jugendamt-Leiter Jürgen Hartwig. Das Kind wurde seit seiner Geburt von der Jugendhilfe begleitet, da die Mutter dem Säugling gegenüber gewalttätig war. Das letzte Lebenszeichen des Kindes stammt vom Juli 2006, als ein Arzt das Kind gesehen hatte. Seitdem bekam es kein Mitarbeiter der Sozialbehörde mehr zu Gesicht. Zu der Frage, ob ein solcher Zeitraum für angemessen gehalten wird, machte das Ressort keine Angaben.
Spuren von Mangelerscheinungen
Das Kind sollte auf Grund eines Gerichtsbeschlusses vom 2. Oktober dem Vater entzogen und aus der Wohnung abgeholt werden. Der Mann hatte sich nach Angaben der Sozialbehörde den Empfehlungen der Sozialarbeiter widersetzt und war wiederholt nicht zu den Gerichtsterminen erschienen. Als die Sozialarbeiter das Kind mit Unterstützung von Polizei und Gerichtsvollzieher abholen wollten, fanden sie im Kühlschrank nur noch die Leiche.
Den Ermittlern zufolge wies die Leiche des Kindes Spuren von Mangelerscheinungen auf. Der Junge sei nicht erst in den vergangenen Tagen gestorben. Gegen den Vater wird nun ermittelt. Dabei werde noch geprüft, ob die Staatsanwaltschaft dem Verdächtigen aktive Tötung oder Vernachlässigung des Kindes vorwirft. Er hatte auf die Frage nach dem Kind mit den Worten geantwortet "Da drüben liegt er" und auf den Kühlschrank gedeutet. Danach habe er geschwiegen. Der 41-Jährige befand sich in einem Methadon-Programm gegen seine Drogensucht.
Baby im Biomüll in Passau gefunden
Vor einer Woche war in einer Müllsortieranlage in Passau ein totes Baby entdeckt worden. Nach Angaben der Mutter sei es bereits tot zur Welt gekommen. Die junge Frau habe sich am Sonntagabend der Polizei gestellt, sagte der Leitende Passauer Oberstaatsanwalt.
Die Mutter habe bei den Vernehmungen ausgesagt, dass sie das Kind bei einer Sturzgeburt auf der Toilette geboren habe. Da das Kind keine Lebenszeichen von sich gegeben habe, habe sie das Neugeborene in einem Plastiksack in die Biotonne geworfen. Bis zur plötzlichen Geburt habe sie nichts von ihrer Schwangerschaft bemerkt, erklärte die Mutter. Es habe bei ihr keinerlei körperliche Anzeichen dafür gegeben. Laut Gerichtsmediziner ist das Baby jedoch lebend zur Welt gekommen.
Die Leiche des Babys war am Montag vergangener Woche auf dem Laufband eines Recyclingbetriebes entdeckt worden, nachdem das tote Mädchen zuvor sechs Tage in der Mülltonne lag. Das Kind war knapp 50 Zentimeter groß, wog nur etwa 1300 Gramm und war im siebten Schwangerschaftsmonat zur Welt gekommen.
Die junge Frau lebt mit ihrem Freund zusammen. Dem Lebensgefährten war ihr zurückgezogenes Verhalten aufgefallen, weshalb er ihre Mutter informierte. Gegenüber dieser gab die junge Frau schließlich zu, dass sie das Kind ausgetragen habe. Auf Initiative der Eltern habe sich die Frau schließlich der Polizei gestellt.
jjc/AFP/dpa
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