Dresden - Ein Bewacher sah den 36-jährigen Mario M. gestern um 18.45 Uhr mit vermeintlichen Erstickungssymptomen in der Zelle liegen, wie der Sprecher des sächsischen Justizministeriums, Martin Marx, heute berichtete. Ein Notarzt habe jedoch keine Anzeichen für eine Gesundheitsgefährdung und keine Verletzung festgestellt.
Mario M. habe einfach die Luft angehalten, erklärte Marx. Dadurch sei der Blutdruck in die Höhe getrieben worden, und der 36-Jährige habe hyperventiliert. Mario M. bekomme aber keine Medikamente. Sein Ziel sei möglicherweise gewesen, den Prozessverlauf gegen ihn zu beeinflussen. Zu keinem Zeitpunkt habe die Möglichkeit bestanden, dass M. in ein externes Krankenhaus verlegt werden musste, betonte der Ministeriumssprecher.
Der Angeklagte hatte am Mittwoch mit seiner Flucht auf ein Gefängnisdach die Polizei 20 Stunden lang in Atem gehalten. Daraufhin wurden verschärfte Haftbedingungen für ihn angeordnet.
Nach Informationen des Magazins "Focus" hat ein psychiatrischer Gutachter bei dem vorbestraften Kinderschänder eine schwere Persönlichkeitsstörung im Rang einer schweren seelischen Abartigkeit festgestellt. Mario M. habe einen überdurchschnittlichen Intelligenz-Quotienten von 138. Verteidiger Andreas Boine bezeichnete den Angeklagten als außergewöhnlich intelligent und sensibel. Die Ursache der Persönlichkeitsstörung sieht er in einem Kindheitstrauma: "Ab dem Alter von drei Jahren war er stark entstellt durch ein Furunkel auf der Nase. Sein Nasenrücken war komplett zerstört." Darunter habe Mario M. stark gelitten.
Rechtsbeistand will Standleitung zum Justizminister
Thomas Kämmer, Rechtsbeistand von Stephanie, forderte die Suspendierung des Leiters der Justizvollzugsanstalt Dresden, Ulrich Schwarzer. Die 14-Jährige habe erst aus der "Dresdner Morgenpost" von dem Vorfall am Samstagabend erfahren und erneut Angst bekommen. Wäre sie sofort nach dem Zwischenfall von offizieller Seite informiert worden, hätte man beruhigend auf das Mädchen einwirken können, meinte Kämmer.
Er will morgen eine Standleitung zum Büro des sächsischen Justizministers Geert Mackenroth und zur Gefängnisleitung beantragen, um sofort informiert zu werden. Nach Einschätzung Kämmers will Mario M. mit seiner Aktion erreichen, dass er in eine Psychiatrie verlegt wird.
M. steht derzeit in Dresden vor Gericht. Er hatte zu Prozessauftakt gestanden, die damals 13 Jahre alte Stephanie im Januar entführt, sie über fünf Wochen festgehalten und vielfach sexuell missbraucht zu haben. Der Prozess vor dem Landgericht Dresden wegen Entführung und Vergewaltigung der damals 13-jährigen Stephanie wird am 21. November fortgesetzt.
dab/AP/Reuters
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