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20.11.2006
 

Frankfurter Flughafen

Bundesanwaltschaft vereitelt Anschlag auf Flugzeug

Der Helfer war schon gefunden: Ein Mitarbeiter des Flughafens Frankfurt sollte einen Koffer mit Sprengstoff durch die Sicherheitsschleusen an Bord eines Flugzeuges schmuggeln. Doch als Terroristen und Helfer noch über den Lohn feilschten, kamen die Ermittler ihnen auf die Spur.

Karlsruhe/Berlin - Wie die Bundesanwaltschaft heute in Karlsruhe mitteilte, wurden am Freitag sechs Verdächtige vorläufig festgenommen und insgesamt neun Wohnungen in Rheinland-Pfalz und Hessen durchsucht. Gegen die Betroffenen seien allerdings keine Haftbefehle beantragt worden, weil sich deren Planungen noch in einem sehr frühen Stadium befunden hätten.

Laut Bundesanwaltschaft soll sich ein Flughafenmitarbeiter gegenüber den Beschuldigten bereit erklärt haben, gegen Bezahlung einen Koffer oder eine Tasche mit Sprengstoff in ein Verkehrsflugzeug zu schmuggeln. Daraufhin sei aus dem Kreis der Beschuldigten Kontakt mit bislang unbekannten Hintermännern einer terroristischen Gruppierung aufgenommen und über solch eine Bezahlung diskutiert worden. Eine endgültige Einigung über die Höhe der versprochenen Entlohnung sei allerdings nicht getroffen worden.

Die Beschuldigten waren am Freitag vorläufig festgenommen worden und kamen bis auf einen am Samstag wieder auf freien Fuß. Der sechste Verdächtige bleibt wegen einer anderen Sache in Strafhaft. Die Durchsuchungen am Freitag dienten der Behörde zufolge dazu, Beweismaterial über den Stand der Planungen, der Hintermänner und die den Auftrag erteilende terroristische Gruppierung zu gewinnen. Ob es sich bei dem Bediensteten um einen Mitarbeiter des Flughafens Frankfurt am Main handelt und die Ermittlungen gegen die Verdächtigen wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung einen islamistischen Hintergrund haben, wollte die Bundesanwaltschaft nicht mitteilen.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte in Berlin, der Fall zeige, dass die Sicherheitsbehörden offenbar "sehr nah dran" seien. Deutschland sei nach wie vor "Teil eines Gefahrenraumes", es müsse immer wieder mit konkreten Anschlagsplanungen gerechnet werden. Dabei verwies der Sprecher auf bereits vereitelte Anschlagsversuche wie die versuchten Kofferbomben-Anschläge von Köln. Auch Generalbundesanwältin Monika Harms hatte vor wenigen Tagen gewarnt, die Ruhe in Deutschland könne "trügerisch sein".

Ermittler warnen vor Panik

Beteiligte Ermittler warnten nach der Veröffentlichung erster Details der Ermittlung am Vormittag allerdings vor Panik. "Wir haben nicht in letzter Minute vor einem Anschlag zugeschlagen, sondern ganz bewusst sehr früh", sagte ein hoher Beamter SPIEGEL ONLINE. Demnach seien die möglichen Planungen der Gruppe im Anfangsstadium gewesen.

Vor einer Woche hatte der US-Fernsehsender CBS News berichtet, das Terrornetzwerk al-Qaida beabsichtige in der Weihnachtszeit Anschläge auf Fluglinien und Bahnnetze in Europa. Danach soll es Pläne zur Wiederholung der im August vereitelten Anschläge am Londoner Flughafen Heathrow geben. Laut britischer Polizei wollten Attentäter damals flüssigen Sprengstoff im Handgepäck an Bord schmuggeln.

Wegen der Gefahr, dass Flughafenmitarbeiter Bomben an Bord von Verkehrsmaschinen schmuggeln könnten, war auf dem Pariser Großflughafen Roissy-Charles de Gaulle seit Mai vergangenen Jahres 72 muslimischen Beschäftigten der Zugang zum Sicherheitsbereich verboten worden. Zur Begründung war auf ihre mutmaßlichen islamistischen Kontakte verwiesen worden.

dab/ddp/AFP/AP/dpa

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