New York - Es sei für ihn "inakzeptabel oder unverständlich", dass 50 Schüsse auf das Auto des unbewaffneten Mannes abgegeben worden seien, sagte Bloomberg am Montag.
Er sei tief betroffen. Die Ermittlungen müssten Klarheit bringen,
was genau passiert sei. Doch zugleich wies er Forderungen nach einem Rücktritt von Polizeichef Kelly zurück.
In Sprechchören hatten zuvor Demonstranten unter der Leitung des Bürgerrechtlers Al Sharpton die sofortige Ablösung Kellys verlangt. Zu der Mahnwache anlässlich der tödlichen Schüsse auf Sean Bell, der mit zwei Freunden seinen Junggesellenabschied gefeiert hatte, waren mehrere hundert New Yorker gekommen. 50 Schüsse hatten die Polizeibeamten auf den Nissan der drei Männer gefeuert. Der 23-jährige Bell war im Kugelhagel gestorben, seine Freunde überlebten schwer verletzt.
"Wir können nicht zulassen, dass so etwas weiter passieren kann", sagte Al Sharpton vor einem Krankenhaus, in dem einer der zwei verletzten Männer behandelt wird. "Jeder von uns hätte in diesem Auto sitzen können." Der prominente Menschenrechtsaktivist erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei: Entsetzt habe er feststellen müssen, dass die beiden Verletzten mit Handschellen an ihr Krankenhausbett gefesselt seien. Dabei sei unklar, was ihnen vorgeworfen werde. Der Bürgerrechtler animierte die Menge, laut von eins bis 50 zu zählen, für jeden Schuss einen Schrei.
Einer der Beamten habe allein 25 Schüsse abgefeuert, nachgeladen und erneut sechs Schüsse abgegeben, berichtet die "New York Times". Ein weiterer drückte elfmal ab. Die anderen drei Polizisten schossen vier-, drei- und einmal. Elfmal wurde Joseph Guzman getroffen. Der Gesundheitszustand des 31-Jährigen wird als äußerst kritisch beschrieben. Drei Schüsse trafen den 23-jährigen Trent Benefield - sein Zustand gilt als stabil.
Laut "New York Times" hat die Schießerei höchstwahrscheinlich weniger als eine Minute gedauert. Demnach müsse der Beamte, der 31 Mal geschossen hat, dies in weniger als 20 Sekunden getan haben. Das Phänomen, dass Polizisten in den USA sofort Dutzende Schüsse abfeuern, ist nicht neu: 1999 schossen New Yorker Polizisten 41 Mal auf den westafrikanischen Immigranten Amadou Diallo - als er seine Geldbörse aus einer Tasche holen wollte.
"Wir suchen weiterhin Zeugen, die zur Aufklärung des Vorfalles beitragen können und haben die Staatsanwaltschaft mit in die Ermittlungen mit einbezogen", erklärte Paul Browne, Sprecher der New Yorker Polizei. Noch sei es zu früh, um zu beurteilen, ob die Schießerei begründet gewesen sei oder nicht. Ebenso unklar ist, ob die Polizisten sich als solche erkennbar gemacht hätten.
Bürgermeister Michael Bloomberg erklärte das Handeln der Polizei damit, dass die Beamten in Notwehr gehandelt hätten und einem Angriff der Männer zuvorkommen wollten. Angeblich seien die Beamten davon ausgegangen, dass einer der Männer bewaffnet gewesen sei.
Die fünf Polizeibeamten in den Innendienst versetzt worden, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind, erklärte Paul Browne. Am 6. Dezember wolle die Polizei eine offizielle Erklärung samt Aufklärung abgeben.
kai/jjc/AP
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