Tokio - Bei den Erhängten handelt es sich nach Angaben japanischer Nachrichtenagenturen um vier Männer, darunter ein 77- und ein 75-Jähriger. Die beiden anderen verurteilten Mörder waren 64 und 44 Jahre alt. Es waren die ersten Exekutionen seit dem Amtsantritt von Ministerpräsident Shinzo Abe im September.
Damit haben sich die Befürchtungen von Anwälten und Gegnern der Todesstrafe bewahrheitet, dass die Regierung die gerade begonnenen Parlamentsferien wieder für Hinrichtungen nutzen würde. Sie werfen der Zentralregierung vor, auf diese Weise öffentliche Debatten über die Todesstrafe vermeiden zu wollen.
Die Hinrichtungen werden in der Regel kurzfristig angesetzt. Die Verurteilten und deren Angehörige erfahren erst am Tag der Exekution, dass diese unmittelbar bevorsteht. Die Regierung gibt nur im Nachhinein Hinrichtungen bekannt, nicht aber die Namen der Getöteten. Menschenrechtsaktivisten und die japanischen Medien erfahren diese nur durch die Hinterbliebenen oder durch Anwälte.
Japan ist eines der wenigen Industrieländer, das die Todesstrafe noch nicht abgeschafft hat. Der Umgang des Landes mit der Todesstrafe wie auch die berüchtigten Haftbedingungen werden seit Jahren von Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International scharf angeprangert. Angesichts der oft extrem langwierigen Berufungsprozesse warten zum Tode Verurteilte manchmal Jahrzehnte auf ihre Hinrichtung.
Die meisten Japaner sind jedoch laut Umfragen für die
Todesstrafe. Dennoch werden für die Vollstreckung häufig Termine gewählt, die in Zeiten fallen, in denen das Parlament nicht tagt oder die Japaner mit anderen Ereignissen wie etwa dem anstehenden Jahreswechsel beschäftigt sind.
In einer parteiübergreifenden Initiative verurteilten japanische Abgeordnete die jüngsten Hinrichtungen als grausam, unbarmherzig und gänzlich undemokratisch. Amnesty
International forderte die Abschaffung der Todesstrafe in Japan.
Amnesty zufolge verzichten 88 Nationen, darunter die meisten Industriestaaten, auf die Todesstrafe.
kai/dpa/Reuters
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