London - Paul Appleby narrte die ganze Insel. Der 47-Jährige schaffte es, dem Arbeitsamt und dem Sozialamt vorzuspielen, er benötige Pflege rund um die Uhr, einen Rollstuhl, zwei Krücken und ein Laufgestell.
Die "Sun" berichtet, dem arbeitslosen Briten sei im März 1994 von einem Gericht lebenslang der höchste Satz an Erwerbsunfähigkeitsentschädigung gewährt worden. Dementsprechend staunten die prüfenden Beamten nicht schlecht, als sie Filmmaterial fanden, auf dem der angeblich schwer behinderte Appleby munter und athletisch an Straßenläufen und anderen Wettkämpfen teilnahm.
So lief er 2005 beim Marathon in London - und das zu einer respektablen Zeit von drei Stunden und 37 Minuten. Im vergangenen Jahr nahm er am Robin-Hood-Marathon rund um Nottingham teil und lief von 1118 Läufern als 261. durchs Ziel.
Die Sozialamt-Fahnder erfuhren ebenfalls, dass sich Appleby im Jahr 2001 ganz offiziell in einem Fitnesscenter anmeldete, weil sich sein Zustand verbessert habe - und trotzdem allein von 2001 bis 2006 rund 22.300 Pfund staatliche Unterstützung einstrich.
In der "Sun" echauffieren sich die Briten. "Unfassbar, dass er alle so lange hinters Licht führen konnte", schimpft einer. "Er ist einer der unverfrorensten Betrüger überhaupt", sagt ein anderer.
James Plaskitt, Staatssekretär des Ministeriums für Arbeit und Altersversorgung, sagt, dieser Fall sei ein übles Beispiel dafür, wie das britische Sozialsystem betrogen werden könne. "Das ist eine klare Warnung für all diejenigen, die das soziale System ausnutzen oder betrügen." Mit entsprechenden Strafen sei zu rechnen.
Das königliche Gericht von Nottingham verhandelt den Fall und will in der kommenden Woche das Urteil fällen. Dem Betrüger droht eine Gefängnisstrafe. Die wird er buchstäblich absitzen müssen - ohne Rollstuhl.
jjc
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