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15.01.2007
 

Mordprozess

Tochter tötet Mutter und versteckt sie im Kühlschrank

Eine 26-Jährige hat ihre demente Mutter getötet und die Leiche neun Monate im Kühlschrank versteckt. Unter Tränen gestand sie die Tat heute zu Beginn des Prozesses vor dem Kölner Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau Mord aus "niedrigen Beweggründen" vor.

Köln - Für ihre "abscheuliche Tat" gebe es "keine Entschuldigung", sagte die magere und bleiche Angeklagte, sie werde "lebenslang" die Schuld dafür tragen. Zu spät habe sie bemerkt, dass sie die Verantwortung für ihre schwerkranke Mutter nicht allein tragen konnte und Hilfe hätte holen müssen.

Mit einem alten Bettbezug soll Melanie H. ihre Mutter am 26. Juli 2005 gewürgt haben. Als diese noch atmete, habe die Tochter der 60-jährigen Marianne H. einen Müllbeutel über den Kopf gezogen und sie erstickt, berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger". Anschließend habe die 26-Jährige die Mutter mit Hanfseilen zu einem Paket verschnürt und neun Monate im Kühlschrank der gemeinsamen Wohnung versteckt. Um weiterhin das Arbeitslosengeld der Pflegebedürftigen zu beziehen, fälschte Melanie H. deren Unterschrift.

Die 26-Jährige bestritt, die Tat geplant zu haben. Sie habe ihre Mutter nicht getötet, um ein besseres Leben zu führen. Die 60-Jährige habe nur noch vor sich hin gestarrt, "gar kein eigenes Leben mehr geführt" und sei "einfach nur eine Hülle gewesen". Erst Stunden nach der Tat habe sie realisiert, was sie getan habe, sagte die Beschuldigte. Aus Angst sei sie nicht zur Polizei gegangen, habe die Wohnung nur in Notfällen verlassen. Mit den Sozialleistungen der Mutter habe sie laufende Kosten gedeckt und den "Schein der Normalität" wahren wollen.

Am 25. April 2006 alarmierten Nachbarn die Polizei. Ihnen sei aufgefallen, dass die 60-Jährige nicht mehr im Haus anzutreffen war, schreibt die "Aachener Zeitung". Die Polizisten fanden den stark verwesten Leichnam im Kühlschrank. Melanie H. wurde verhaftet.

Kontakt zu anderen Kinder habe die Mutter verboten

"Meine Mutter war ein Vampir. Sie hat mich ausgesaut durch ihre Hilflosigkeit", zitiert der "Kölner Stadt-Anzeiger" die Angeklagte. Bereits bei der Geburt ihrer Tochter im Januar 1980 war Marianne H. schwer alkoholkrank und lebte von Sozialhilfe. Ständig habe sie randaliert, ihr Kind drangsaliert und gelegentlich geschlagen. Ihre wechselnden Lebenspartner waren ebenfalls Alkoholiker. Ihren Vater kannte Melanie nicht, Kontakt zu anderen Kindern habe die Mutter verboten. Nachdem die Betrunkene im Sommer 1995 mit einem Beil auf Nachbarn und die 15-jährige Tochter losging, zog das Mädchen mit Zustimmung des Jugendamtes zu einer Tante.

Doch bereits im April 1996 musste sie zurück, weil Marianne H. eine Entziehungskur gemacht hatte. Die hochintelligente Melanie litt unter Magersucht, wog zwischenzeitlich nur noch 33 Kilogramm. In der zwölften Klasse musste die junge Frau, die trotz des Psychoterrors ihrer Mutter gute Noten schrieb, die Schule abbrechen: Sie war lebensgefährlich an Tuberkulose erkrankt. Als sie nach monatelanger Behandlung wieder gesund war, wurde ihr eine Ausbildungsstelle angeboten, die sie ablehnte. Arbeitslos meldete Melanie H. sich nicht. Sie lebte von den Hartz-IV-Bezügen ihrer Mutter.

"Teufelskreis gegenseitiger Abhängigkeit"

Marianne H. baute körperlich und geistig stark ab. Zwar trank sie keinen Alkohol mehr, doch suchte sie in Mülltonnen nach Essbarem, bettelte Nachbarn an und urinierte in ihr Bett. Auch am Morgen des 26. Juli 2005 waren die Laken durchnässt, zudem hatte die 60-Jährige Durchfall und es nicht zur Toilette geschafft. Sie könne das nicht mehr, soll Melanie H. dem "Kölner Stadt-Anzeiger" zufolge gesagt haben. "Dann mach mich doch kaputt", habe die Mutter geantwortet. Bereits zuvor habe Marianne H. geäußert, sterben zu wollen, gab die Tochter bei ihrer polizeilichen Vernehmung zu Protokoll. Der Tod sei für ihre Mutter eine Erlösung gewesen. Sie habe sich gegen das Würgen nicht gewehrt.

Die Staatsanwaltschaft hingegen ist der Meinung, Melanie H. habe die ihr lästige Mutter "vorsätzlich" aus egoistischen Gründen getötet. "Ihr Zusammenleben war ein nicht zu durchbrechender Teufelskreis gegenseitiger Abhängigkeit", zitiert der "Kölner Stadt-Anzeiger" H.s Anwältin Carolina Popovic. In der Haft sei die Angeklagte aufgeblüht, habe Freundinnen gefunden und plane ein Geschichtsstudium. Das Gefängnis sei ihre "ganz große Chance, wieder auf die Füße zu kommen".

jmk/dpa

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