Mittwoch, 10. Februar 2010

Panorama



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
16.01.2007
 

Bluttat in Tessin

Obduktion der Toten offenbart extreme Brutalität

Von Julia Jüttner

Die Bluttat von Tessin war brutaler als bisher bekannt. Die beiden 17-Jährigen sollen die Eltern eines Freundes regelrecht niedergemetzelt haben - mit Messerstichen in Kopf und Rumpf. Alle rätseln: Welches Motiv hatten die zwei Jugendlichen nur?

Tessin - Der tödliche Überfall im mecklenburgischen Tessin war weitaus brutaler als zunächst bekannt: "Das Ehepaar wurde mit einer Vielzahl von Messerstichen in Rumpf und Kopf getötet", teilte Oberstaatsanwalt Hans-Christian Pick auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit. Der Obduktionsbericht zeige, dass die beiden 17-Jährigen "äußerst brutal" vorgegangen seien. Antje E. muss versucht haben, sich zu wehren. "An ihren Armen wurden mehrere Stichverletzungen festgestellt", sagte Pick. "Es wurden mehrere Messer verwendet." Wie viele, konnte der Oberstaatsanwalt nicht sagen.

Peter E. habe den beiden Gymnasiasten am Samstagabend die Tür geöffnet. Kurz darauf hätten die beiden Jugendlichen auf den 46-Jährigen eingestochen. Auch die fünf Jahre jüngere Antje E. sollen die beiden mit Messern angegriffen haben. Berichte, wonach die Frau bis zur Unkenntlichkeit entstellt wurde, wollte er nicht kommentieren.

Felix D. und Torben B. haben beide laut Oberstaatsanwalt die Tötung des Ehepaares gestanden - und die Geiselnahme einer 15-Jährigen. Im Schuppen der Familie hatten die Täter vor der Bluttat das Mädchen gefesselt und geknebelt. "Die drei haben zuvor mehrere Stunden gemeinsam verbracht", sagte Pick. In welcher Beziehung sie zueinander stehen, sei aber noch unklar. Als die Täter merkten, dass die Polizei im Anmarsch war, nahmen sie das Mädchen als Geisel und versuchten mit dem klapprigen VW Polo der Überfallenen zu fliehen. Nach wenigen Metern fuhren sie gegen einen Ford Fiesta und kamen zum Stehen. Von der Polizei umzingelt, gaben sie nach gut einstündigen Verhandlungen kurz vor Mitternacht auf. Die 15-Jährige blieb unverletzt.

Völlig rätselhaft bleibt das Motiv der beiden 17-Jährigen. "Ihre Angaben zum Motiv ergeben keine plausible Erklärung", sagt Pick. Sie werden weiter verhört, die beschlagnahmten Dinge aus ihren Kinderzimmern - unter anderem ihre Computer - werden ausgewertet und überprüft. Ob die beiden geplant haben, sich nach der Tat abzusetzen, konnte die Staatsanwaltschaft nicht bestätigen.

Im Gegensatz zum Amtsgericht Hagenow, das Haftbefehle wegen Totschlags erließ, geht die Staatsanwaltschaft von Mord aus. "Die Tatverdächtigen haben angegeben, dass sie geplant hatten, das Auto der Opfer zu stehlen. Wer Menschen tötet, um eine andere Straftat zu ermöglichen, begeht einen Mord", sagte Pick. Wenn die vollständige Akte des Gerichtes vorliegt, will man prüfen, "ob wir Beschwerde gegen diese Einschätzung des Hagenower Gerichts einlegen".

Die Tat sei geplant und angekündigt worden. "Ohne dass ich das Gesagte wortwörtlich zitiere: Einer der Tatverdächtigen hatte Bekannten sinngemäß gesagt, dass sie an diesem Tag noch einen Menschen töten werden." Pick sagte jedoch, dass sich diese Worte nicht auf die beiden Getöteten bezogen.

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



MEHR AUF SPIEGEL ONLINE











Service von SPIEGEL-ONLINE-Partnern