Bremen - Die Akten des Sozialarbeiters schilderte Innenrevisor Gisbert Tümmel von der Bremer Sozialbehörde heute vor dem Kevin-Untersuchungsausschuss der Bremer Bürgerschaft als chaotisch. Die Akte des zu Tode gequälten Kevin sei jedoch noch am besten geführt und schlüssig zu lesen gewesen.
Tümmel zufolge wurde in Bremen nach dem Tod des Jungen erstmals ein einzelner Sozialarbeiter so genau überprüft. Nach seinen Angaben waren einzelne Akten über das Büro verteilt und unsortiert.
Der Sozialarbeiter habe Ergebnisse der wöchentlichen Fallkonferenzen festgehalten, bevor diese überhaupt stattgefunden hätten. Die vom Sozialarbeiter vertretenen Auffassungen seien nicht aus den Akten ableitbar gewesen. Allerdings sei die Bedeutung der Aktenführung in der Sozialarbeit umstritten, sagte Tümmel.
Der zweijährige Kevin, der unter Amtsvormundschaft stand, war am 10. Oktober 2006 tot im Kühlschrank seines drogensüchtigen Ziehvaters Bernd K. gefunden worden. Die stark verweste Leiche wies 24 Knochenbrüche auf, fünf hatte er unmittelbar vor seinem Tod erlitten.
Der Sozialarbeiter hatte das Kind zuletzt im April gesehen. Bald darauf starb Kevin nach Auffassung der Staatsanwaltschaft. Sie verdächtigt Bernd K. der Misshandlung und Tötung. Der Ziehvater schweigt zu den Vorwürfen. Zudem wird gegen den Sozialarbeiter und den Amtsvormund wegen Verdachts auf Vernachlässigung der Fürsorgepflicht ermittelt.
Nach der von der Bremer Justizbehörde erstellten Dokumentation des Falls hatte der Sozialarbeiter massiv darauf gedrängt, Kevin bei den drogensüchtigen Eltern zu lassen. Eine Familien-Hebamme hatte ihn auf die Gewaltbereitschaft des Vaters aufmerksam gemacht.
Justizstaatsrat Ulrich Mäurer hatte kritisiert: "Maßstab sind die Wünsche und Interessen der Eltern gewesen. Das Kindeswohl kommt leider nicht vor." Man habe geglaubt, wenn das Kind bei den süchtigen Eltern bleibe, würden sie stabilisiert, und alles werde gut.
Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Hintergründe von Kevins Tod hat für morgen den Sozialarbeiter und den Amtsvormund geladen. Deren Anwälte haben bereits Aussageverweigerung angekündigt, sagte der Vorsitzende des Ausschusses, Helmut Pflugradt.
dab/AP
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