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16.04.2007
 

Amoklauf-Augenzeugen

"Dann hörte ich Schüsse, die durch Glas schlugen"

Erschütternde Augenzeugenberichte - live vom Campus: Auf News-Sites und Blogs schildern die Studenten von Blacksburg, wie sie den Amoklauf erlebten. Bilder zeigen verängstigte Seminarteilnehmer, die auf ein Ende des Horrors hoffen. SPIEGEL ONLINE dokumentiert ihre Erlebnisse.

Student Derek O'Dell ist einer der zahlreichen Verletzten; seine Schusswunde im Oberarm wurde im Krankenhaus versorgt. Er war in einem Seminarraum im zweiten Stock des Norris-Hall-Gebäudes, als der Amok-Schütze hereinkam. O'Dell sagte CBS: "Er kam rein und fing an zu schießen. Er hat eine volle Salve in unserem Seminarraum abgefeuert. Ich war einer der 10 oder 15 Leute, die getroffen wurden."

Studenten in Angst: Diese Französisch-Klasse kauert sich im Seminarraum zusammen - das Live-Bild ist auf der Seite der Universitätszeitschrift "Collegiate Times" zu sehen
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Chase Damiano/CollegiateTimes.com

Studenten in Angst: Diese Französisch-Klasse kauert sich im Seminarraum zusammen - das Live-Bild ist auf der Seite der Universitätszeitschrift "Collegiate Times" zu sehen

In zahlreichen Blogs meldeten sich die Studenten direkt vom Campus - auf der Seite CollegiateTimes.com, der Internet-Ausgabe des Hochschulmagazins, wurde sogar ein Foto von verängstigten Studenten während des Amoklaufs gezeigt. Die Männer und Frauen kauern in einer Französisch-Klasse am Boden, suchen Schutz (siehe Bild links).

Verwirrt und schockiert - aber in den Beschreibungen oft auch erstaunlich präzise, so wirken die Beschreibungen in den Studenten-Blogs. "Es war, als suche er nach jemandem, bevor er zu schießen begann", schreibt Erin Sheehan auf Collegemedia.com. Der Studentin gelang es mit drei anderen, aus ihrer Deutsch-Klasse im Raum Nummer 207 des Norris-Hall-Gebäudes zu fliehen, als der Amokschütze seine Waffe zückte. "Er sah ganz normal aus, ein Asiate, nur dass er eine Art Pfadfinder-Uniform trug und eine schwarze Weste, vielleicht für die Munition." Sie habe gesehen, wie Menschen von Kugeln getroffen wurden. "Überall war Blut." Viele hätten sich nicht gerührt, als wären sie vom Schock gelähmt. "Ich bin eine von vier, die es geschafft hat, aus dem Klassenzimmer zu rennen. Die anderen wurden erschossen oder verletzt."

"Wir sind total geschockt", schreibt Student Timothy Owen aus Blacksburg bei BBC. "Die Tatsache, dass so viele Menschen auf meinem Campus erschossen wurden, ist unglaublich, unvorstellbar. Ich bete für die Familien der Ermordeten. Eine schreckliche Tragödie, die in den nächsten Jahren die Universität bewegen wird."

"Ich war in meinem Zimmer, als ich erfuhr, was draußen los ist", schreibt Student Sam Leake, der in dem West-Amber-Johnston-Wohnheim untergebracht ist. "Das ist der Horror. Ich dachte immer, die Virginia Tech sei eine sichere Schule."

"Eine Freundin von mir hat in der Norris Hall unterrichtet, wo die zweite Schießerei war", schreibt Mihai Alexe. "Sie hat mir eine Kurznachricht geschickt und meinte, sie sei dem Amokschützen begegnet und wäre beinahe erschossen worden. Sie hat sich mit Studenten in einem Seminarraum verbarrikadiert. Soweit ich weiß, ist sie in Sicherheit."

Die Studenten Krishna und Allison: "Wir stecken hier in der Bibliothek fest. Alle stehen unter Schock. Wir haben gerade gehört, dass 17 Leute erschossen worden sein sollen. Aber es ist schwer rauszufinden, was stimmt und was bloß Gerüchte sind. Wir können nur hoffen, dass die Schützen bald gefasst werden."

Nicola, Austauschstudentin aus Irland, begann am Montag ihr erstes Semester in Blacksburg. Sie schreibt: "Mord auf dem Campus an unserem ersten Tag hier - schlimmer geht's einfach nicht. Das ist unglaublich! Wir sitzen hier im Wohnheim und warten auf Neuigkeiten."

Student Josh Wargo nahm an einem Seminar teil, als plötzlich "knallender Lärm" zu hören war. Wargo sagte ABC: "Wir haben 40 oder 50 Schüsse gehört. Zwei Minuten später sprangen wir aus dem Fenster. Ich war benommen, als ich wieder zu mir kam. Dann hörte ich Schüsse, die durch Glas schlugen, und mir wurde klar: Bloß weg hier. Jemand erzählte mir, meinem Professor sei ins Gesicht geschossen worden, er hätte es nicht geschafft. Aber ich weiß es nicht genau."

Student Jamal Albarghouti war auf dem Weg zur Vorlesung, sagte CNN: "Als ich die Polizisten mit ihren Waffen sah, dachte ich, das ist mal wieder eine Bombendrohung. Dann hörte ich von weit weg Schüsse. Dann versuchten die Polizisten, sich Zugang zur Norris Hall zu verschaffen, und sie haben eine Bombe oder so was benutzt, um die Türen zu öffnen."

Studentin Kristen Heiser hörte im Seminar den Ausführungen ihres Professors zu, schilderte CNN ihre Eindrücke: "Um circa 9.30 Uhr sahen wir sechs Polizisten, die mit Waffen im Anschlag am Gebäude entlang liefen. 'Was ist das denn?', fragten wir uns. Blacksburg ist nämlich eine ziemlich verschlafene Stadt. Da passiert so was nicht. Wir sind dann auf die Uni-Webseite gegangen, und da stand was von einer Schießerei."

Student Matt Waldron spazierte über den Campus, mit dem iPod im Ohr - er beschreibt seine Eindrücke bei CNN so: "Plötzlich waren Einsatzwagen auf dem Gehweg. Da waren, glaube ich, Schüsse, in dem Gebäude direkt hinter mir. Zwei Leute gerieten in Panik und sind aus einem Fenster im obersten Stockwerk gesprungen. Eine von den beiden hat sich den Knöchel gebrochen, das andere Mädchen hat einfach dagelegen. Es war wie im Irrenhaus."

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