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17.04.2007
 

Massaker an US-Universität

Amokschütze tötet Dutzende - dann sich selbst

2. Teil: Studenten beschweren sich über Warn-Pannen auf dem Campus - Bush verteidigt Recht auf Waffenbesitz

Klar ist, dass die Polizei nach den ersten Schüssen im Wohnheim zunächst davon ausging, dass die Gefahr weitgehend gebannt war. Die Sicherheitsbeauftragten wiesen die Studenten zwar an, in den Gebäuden zu bleiben und sich von Fenstern fernzuhalten - aber diese Rundmail ging erst zwei Stunden nach dem ersten Blutbad an die Studenten, also als das zweite gerade begann.

Ein Zeuge beschrieb dem Fernsehsender CNN das Chaos auf dem Campus. Studenten hätten sich in ihren Zimmern eingeschlossen und im Internet nach Nachrichten gesucht, was auf ihrem Campus vor sich geht; einige hätten sich unter Tischen versteckt, während draußen Schüsse zu hören gewesen seien, sagte Student Matt Waltron. "Es war ein absolutes Chaos."

Inzwischen stehen Hochschulleitung und Polizei in der Kritik: Nicht alle auf dem Campus hätten die Warn-Mail erhalten - und keineswegs sei sie rechtzeitig losgeschickt worden. Der Vorwurf, dass die Verantwortlichen zu spät oder falsch reagiert hätten, wurde auf Pressekonferenzen am Abend immer lauter. Wieso wurde nach dem ersten Blutbad nicht der ganze Campus abgeriegelt?

Bush plädiert für Recht auf Waffenbesitz

Rektor Charles Steger wies die Vorhaltungen zurück. Man habe korrekt reagiert und nach der ersten Schießerei mit den zwei Toten im Wohnheim keinen Grund zu der Annahme gesehen, dass es zu einem Amoklauf kommen könnte.

"Die Universität ist heute von einer Tragödie getroffen worden, die man wohl als monumental bezeichnen kann", sagte Steger. "Wir sind schockiert und entsetzt."

Das Unigelände wurde nach dem Amoklauf abgesperrt, alle Kurse abgesagt. Für den Mittag plant die Universität eine Vollversammlung, um "mit der Bewältigung der Tragödie zu beginnen" - so kündigt es die Internet-Seite der Virginia Tech an.

US-Präsident George Bush zeigte sich in einer ersten Reaktion tief erschüttert und ließ den betroffenen Familien sein Mitgefühl übermitteln. Bushs Sprecherin Dana Perino fügte hinzu: "Der Präsident glaubt, dass Menschen ein Recht haben, Waffen zu tragen, aber dass alle Gesetze befolgt werden müssen." Bei einer kurzen Ansprache im Weißen Haus sagte Bush später: "Die Schule sollte ein Ort der Sicherheit, Geborgenheit, des Lernens sein." Diese Sicherheit sei durch die Ereignisse in Blacksburg erschüttert worden. Die Regierung werde alles tun, um bei der Aufklärung zu helfen. "Unser Land trauert mit den Opfern."

Schon früher war die Universität in Blacksburg Schauplatz von Gewalt. Nach US-Medienberichten hatte sich im August ein flüchtiger Gefängnisinsasse auf dem Campus versteckt. Ein Angestellter eines Sicherheitsdienstes und ein Polizist wurden getötet, ehe der Mann festgenommen werden konnte. Am 2. April und am 13. April war die Universität Opfer von zwei falschen Bombendrohungen. Die Universitätsleitung setzte gestern eine Belohnung von 5000 Dollar auf den oder die Täter aus.

Die Hochschule Virginia Polytechnic Institute and State University, Virginia Tech genannt, ist eine staatliche Universität in Blacksburg, Virginia. Sie gehört zu den 20 Top-Adressen der Ingenieursausbildung in den USA und zeichnet sich durch eine internationale Ausbildung aus. Partneruniversität ist die technische Universität Darmstadt.

Die Virginia Tech wurde 1872 gegründet. Sie befindet sich in Montgomery County am Fuße der Appalachen, etwa viereinhalb Autostunden südwestlich von Washington D.C. entfernt. Auf dem Campus stehen inzwischen über hundert Gebäude. Die Universität verfügt über einen eigenen Flughafen. Den Studenten werden 60 Bachelor- und 140 Master- und Doktorenprogramme angeboten. Auf 16 Studenten kommt ein Professor. Insgesamt sind rund 26.000 Studenten an der Universität eingeschrieben.

ffr/AFP/AP/dpa/Reuters

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