Samstag, 21. November 2009

Panorama



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18.04.2007
 

Post aus den USA

"Ihr seid herzlos und gedankenlos"

Kriegerische Supermacht, Nation von Waffennarren: Massiv kritisierte Europas Presse nach der Bluttat von Blacksburg die amerikanische Gewaltkultur. Leser aus den USA reagieren wütend und empört. SPIEGEL ONLINE präsentiert eine Auswahl der Mails aus den USA.

Hamburg - 32 Menschen erschoss der Amokläufer von Blacksburg, schließlich sich selbst. Trauer und Schock in den USA sind groß, und auch die Europäer sind entsetzt. "Jetzt werden wir wieder anfangen, über das zu lasche Waffengesetz in den USA zu diskutieren. Denn dort ist es oft leichter, sich eine Maschinenpistole zu besorgen, als einen Führerschein zu machen", kommentierte etwa die "Bild"-Zeitung. Die English Site von SPIEGEL ONLINE veröffentlichte eine Auswahl der Pressestimmen - und wurde mit einer Lawine von Leserbriefen aus den USA überschüttet.

DIE PRESSESTIMMEN

"Stuttgarter Nachrichten": "Emblem von Freiheit und Männlichkeit"

"Der Täter, auch wenn er als Fremder nach Amerika gekommen ist, war am Ende doch Teil einer Gesellschaft, in der die Waffe als Freiheits- und Männlichkeitsemblem vergöttert wird. Er schoss in einem Bundesstaat, wo der Senator auf dem Weg ins Parlament selbst eine Waffe trägt. Er lebte in einem Land, in dem die Massen jubeln, wenn der greise Schauspieler Charlton Heston mit der zittrigen Hand sein Gewehr hochhebt und brüllt, dass er sich noch lange nicht die Waffe entreißen lassen wird: Erst aus meinen kalten, toten Händen."

"Il Messaggero" (Italien): "Eine Supermacht, die Kriege beginnt"

"Corriere della Sera" (Italien): "Ins Erbgut übergangen"

"Libération" (Frankreich): "Jeder Herzschmerz endet mit Schießerei"

"Independent" (Großbritannien): "Amerikas Begeisterung für Gewehre"

"Times" (Großbritannien): "Makabrer Ritus des Blutvergießens"

"El País" (Spanien): "Die Macht der großen Waffenlobby"

Die Pressestimmen aus Europa quittierten viele US-Leser mit wütenden bis empörten Mails. Hier eine Auswahl:

LESERBRIEFE AUS DEN USA

"Ihr seid herzlos und gedankenlos"

"Es ist traurig, wenn Länder die Ereignisse um einen Irren dazu benutzen, ihre linken Ansichten herauszukehren", schreibt Leser Doug Miller aus den USA. "Die Vereinigten Staaten leiden nach einer schrecklichen Demonstration des Bösen, ausgeführt von jemandem, den wir mit offenen Armen in diesem Land willkommen geheißen haben. Ich kenne keinen meiner Landsleute, der während des russischen Schulmassakers 2004 Schadenfreude empfunden hätte. Wir verhielten uns respektvoll. An alle, die über mein Land herziehen wollen in dieser Zeit der Trauer: Schämt euch. Ihr seid herzlos und gedankenlos."

"Eine arrogante, besserwisserische Tirade"

"Wurde der Amoklauf von Charlton Heston begangen?"

"Menschen töten Menschen"

"Wer hat alle gerettet? Die Amerikaner"

"Kastriert und innerlich verrottet"

"Bewaffnete Studenten hätten den Typen töten können"

"Kriegt euch mal ein!"

"Hitler und Stalin haben zunächst Waffen konfisziert"

"Europa Schuld an der Schießerei?"

"Filme und Videos sind wahrscheinlichere Ursache"

pad/ffr

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