Von Sebastian Fischer, München
Zwei-Mütter-Streit um Pumuckl
Eigentlich geht es heute um eine mögliche Urheberrechtsverletzung. Doch der Zwei-Mütter-Streit kocht immer wieder hoch. Der geht so: Ellis Kaut hatte 1961 die Pumuckl-Idee, erfand ihn als Figur für Hörspiele. Mitte der Sechziger brachte sie auch Bücher mit dem rothaarigen Kobold auf den Markt. In Folge einer Schulaufgabe an der "Graphischen Akademie" in München wählte sie nach Darstellung ihrer Anwältin die Studentin Barbara von Johnson als Pumuckl-Zeichnerin aus. Eine Zeit lang bildeten sie ein Team, für die Pumuckl-Fernsehserie in den Achtzigern wurde dann ein anderer Zeichner verpflichtet.
Ellis Kaut lehnt die Zwei-Mütter-Theorie vehement ab. Sie habe auch ein Kind, "ich suche bis heute die zweite Mutter", sagt sie ironisch. Warum wolle denn Barbara von Johnson unbedingt Mutter sein, "warum denn nicht einfach Tante?". Ellis Kaut hat Angst um ihr Lebenswerk. "Man nimmt mir einfach die Sache weg und führt sie fort".
Anwalt Reber hingegen betont, die Zeichnerin von Johnson habe in Landshut nicht die Geschichte des Pumuckl fortschreiben, sondern nur kleine Kinder in der Vorstellung einer Pumuckl-Freundin animieren wollen. Doch dies wollen Kaut und Anwältin nicht glauben, seien doch nach ihren Informationen die Veranstalter von der Zeichnerin nicht darauf hingewiesen worden, dass sie nur Urheberin der grafischen Figur sei, nicht aber der literarischen. Damit könne sie den Eindruck erwecken, die weitere Geschichte des Kobolds zu beeinflussen. Barbara von Johnson hat dazu eine gegenteilige eidesstattliche Erklärung abgegeben.
Am Ende bleibt Ratlosigkeit. Auch bei Richter Konrad Retzer. "Wir sehen uns nicht in der Lage, das heute abschließend zu entscheiden", sagt er nach eineinhalb Stunden und legt die Verkündung des Urteils auf den 24. Mai.
"Das würde sie als Attentat empfinden"
Und Ellis Kaut? "Jetzt müssen wir warten", sagt sie, "aber Warten ist nicht so leicht." Sie sei das erste Mal aktiv vor Gericht gezogen. Offensichtlich würde sie lieber arbeiten. Es soll weitergehen mit dem Pumuckl. Wie? Das will sie nicht verraten. Bei den Journalisten wirbt sie um Verständnis: Man stelle sich doch einmal vor, hier im Saal wäre eine Zeichnung von Frau von Johnson - "und ich würde sagen: Da fehlt die Farbe Blau, aus psychologischen Gründen muss Blau rein." Sie nehme also einen Pinsel und verändere das Bild. "Aber das würde sie doch als Attentat empfinden, und ich soll es einfach schlucken."
Es ist dem RTL-Journalisten vorbehalten, die alles entscheidende Frage dieses Gerichtstages zu stellen. Mit wem ihr Kobold denn hier und heute hätte Schabernack treiben sollen? Ellis Kaut muss nicht lange überlegen: "Ich wüsste, wem der Pumuckl hier im Raum etwas angetan hätte - aber ich sag's nicht."
Dann lacht sie genüsslich vor sich hin. Und ein bisschen erkennt man darin diesen kleinen, rothaarigen Kobold.
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