London/Middlesborough - Bislang ist die Polizei im Fall Anthony Bird machtlos: Strafmündig ist der Junge mit dem hohen Maß an krimineller Energie nach britischem Recht erst ab seinem zwölften Geburtstag. Das Amtsgericht von Teesside verhängte jetzt jedoch eine Abmahnung mit dem Kürzel ASBO (Anti Social Behaviour Order, zu Deutsch etwa "Bescheid wegen asozialen Verhaltens") gegen den Störenfried. Die Vorsitzende Richterin sagte dazu laut einem Bericht der "Times": "Wir sind der Ansicht, dass in diesem Fall das öffentliche Interesse schwerer wiegt als die Frage nach Anthonys Alter und Wohlergehen, obwohl wir dies in keiner Hinsicht leicht genommen haben." Der alkoholabhängige Zehnjährige bat nach der Verkündung um Verzeihung und stimmte den Bedingungen der Anordnung zu.
Die ASBO enthält eine lange Liste an Verboten: So ist es Anthony über einen Zeitraum von zwei Jahren nicht erlaubt, bestimmte Teile seiner Heimatstadt Middlesborough zu betreten und zwischen 21 Uhr und 7 Uhr sein Zuhause zu verlassen - es sei denn, er wird von einem Elternteil oder anderen volljährigen Verwandten begleitet. Außerdem darf er keine Menschen oder Autos mit Steinen bewerfen oder beleidigende Ausdrücke in der Öffentlichkeit benutzen.
Der Vater des Jungen erhielt ebenfalls Auflagen. "Anthony war der Polizei gut bekannt, und es wurde bei zahlreichen Gelegenheiten mit ihm über sein Verhalten gesprochen. Mit seinen Eltern wurde auch gesprochen, aber es konnten bisher keine Maßnahmen ergriffen werden, weil er so jung war", sagte ein Polizist laut "Times". Anthony hätte sich mit anderen Jugendlichen eingelassen, die ihn ausnutzten und anfeuerten. Diese Ansicht vertrat auch der Verteidiger des kleinen Serientäters, der erklärte, dass ältere Kinder Anthony angestiftet hätten, die Drecksarbeit für sie zu erledigen.
Der Anwalt beschrieb den Jungen als intelligent und fähig. Der Direktor seiner Schule sagte, dass Disziplinarmaßnahmen bei dem Zehnjährigen griffen, und ein Sprecher des Stadtrats äußerte die Hoffnung, dass Anthony sich ändern kann. Sollten sie sich irren, wird der Rabauke in zwei Jahren ernsthaft für seine Taten bestraft.
Paul Hall, der in Middlesborough einen rund um die Uhr geöffneten Kiosk betreibt und Anthony von klein auf kennt, sagte der "Sun", der Junge sei schon im Alter von drei Jahren allein auf den Straßen unterwegs gewesen und habe Ärger gemacht. Der 85-Jährige ist froh, dass die Behörden sich jetzt um den Jungen kümmern: "Manchmal konnte er ganz nett sein, aber meistens war er schrecklich. Ich jedenfalls will ihn niemals wieder sehen."
art/AFP
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