Von Ferda Ataman
Berlin - Sie sind noch Kinder. Doch sie leisten sich teure Sportschuhe, gehen Billard spielen und lassen sich abends in einem Taxi nach Hause fahren. Ihr Zuhause allerdings ist ein Jugendheim. Die kleinen Herrschaften sind sogenannte Klaukinder aus Rumänien.
Das Phänomen "Kinderdiebe" ist den deutschen Sicherheitsbehörden seit Jahren bekannt. Doch mit dem EU-Beitritt Rumäniens hat sich die Zahl minderjähriger Langfinger vor allem in der Hauptstadt vervielfacht, wie aktuelle Zahlen der Berliner Polizei belegen. 17 Kinder aus Rumänien kennen die Gesetzeshüter mittlerweile, die bis zu 30 Diebstähle am Tag verüben - das sind über 500 Klaukinder-Delikte täglich. Die Dunkelziffer sei viel höher, heißt es.
Neu ist außerdem ihr Konsumverhalten, das laut Ermittlern keine Rückschlüsse mehr auf organisierte Geldeintreiber zulässt. Bisher wurden klauende und bettelnde Kinder vor allem durch kriminelle Gruppen nach Deutschland geschleust. Ihre Beute mussten sie an die Bandenchefs abgeben. Immer öfter werden Klaukinder jedoch inzwischen dabei beobachtet, wie sie ihr Geld für Luxusgüter ausgeben. "Sie leisten sich was", so ein Polizeibeamter. Die Kinder kämen freiwillig, vermutet daher die Polizei.
Berlin hat - wie jede Großstadt - grundsätzlich ein Problem mit professionellen Straßenräubern. Berliner Behörden zählten im Jahr 2005 fast 17.500 Taschendiebstähle. Daraufhin hat die Polizei die operativ arbeitende Ermittlungsgruppe (EG) Tasche eingerichtet. Die Zahl der Delikte ging 2006 prompt auf 15.500 zurück, obwohl die turbulente Fußball-Weltmeisterschaft den Langfinger-Tourismus aus dem In- und Ausland belebte. Klaukinder waren der Polizei 2006 lediglich drei bekannt.
Doch seither ist die "Diebstahlquote durch Klaukids massiv gestiegen", sagt Thomas Neuendorf, der Leiter der EG Tasche. Wahrscheinlich weil es ihnen seit dem EU-Beitritt leichter fällt, nach Deutschland zu kommen. "Und es hat sich unter jungen Rumänen herumgesprochen, dass stehlenden Kindern in Deutschland nichts passiert."
Die Polizei ist machtlos. Strafrechtliche Maßnahmen sind bei unter 14-Jährigen ausgeschlossen, nur in Ausnahmefällen werden die Eltern belangt. Doch die sind im Fall der Klaukinder nicht auszumachen. "Habe Papiere verloren", sei die Standardausrede, wenn die Polizei nach Ausweisen verlangt. So werden die Kinder - auf frischer Tat ertappt - zunächst von der Polizei vernommen und dann im Kindernotdienst abgegeben. Dort bekommen sie ein Bett und eine warme Mahlzeit - und ziehen meist wenig später wieder los.
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