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Kriminalität Die Klaukids von Berlin

2. Teil: Abschiebung ist unmöglich

"Rumänische Klaukinder haben in Deutschland nur einen Rechtsanspruch auf Inobhutnahme", so Peter Alfred Schulz, Leiter des Sozialpädagogischen Diensts in Berlin-Mitte. Das bedeute, dass die Rückführung in die Heimat vorrangig sei. Doch das umzusetzen scheint keineswegs einfach zu sein und funktioniert laut Polizeiangaben fast nie.

Die Kinder können nur dann in die Heimat zurückgeschickt werden, wenn die rumänische Botschaft ihre Identität feststellt, so Polizist Neuendorf. Doch in den meisten Fällen sei es schon schwer nachweisbar, dass es sich überhaupt um rumänische Staatsbürger handle.

Ein amtliches Rückfahrticket sei außerdem nur dann denkbar, wenn ein deutsches Familiengericht einen Vormund finde, der das Kind in Rumänien besser aufgehoben wisse als in Deutschland. Doch das hat der Beamte noch nicht erlebt.

Geschlossene Heime, in denen die Kinder festgehalten und dauernd beobachtet werden, wären eine Lösung für das Problem, so Neuendorf. Das sei "keine pädagogische Strafe", sondern "Hilfe und Schutz" für die Kinder, sagt er SPIEGEL ONLINE.

Doch es gibt nur acht solcher Heime in Deutschland. Keines davon befindet sich in Berlin oder Brandenburg. Sie sind außerdem für Gewalttäter, Räuber, Mörder gedacht, bei denen das Sicherheitsrisiko für die Umwelt hoch ist.

Kinder in den überfüllten geschlossenen Heimen unterzubringen ist zudem kostspielig, bis zu 9000 Euro werden monatlich für Straftäter fällig. Wenn Kinder aus Berlin in geschlossenen Heimen anderer Bundesländern untergebracht werden, muss das Land Berlin die Kosten übernehmen. "Bisher ist der Leidensdruck durch Kinderdiebe jedoch nicht hoch genug", vermutet Neuendorf.

Fachbereichsleiter Schulz dagegen hält wenig von geschlossenen Heimen für klauende Kinder: "Diebstahl ist keine schwere Straftat", sagt er, und die sei Voraussetzung für die Einweisung. Um strafunmündige Kinder in eine geschlossene Einrichtung einzuweisen, bedürfe es außerdem eines richterlichen Beschlusses. Und dann nur "zum Schutz des Kindes - nicht zum Schutz von Kaufhäusern".

Klauen sei ein Symptom, das auf sozialpädagogische Bedürfnisse eines Kindes hinweist. Doch es dauert viele Jahre bis geschlossene Heime ihre erzieherische Wirkung haben, sagt Schulz SPIEGEL ONLINE. Und ohne Pädagogen die Rumänisch sprechen sei das "völliger Unsinn".

Eine kurzfristige Lösung gebe es nicht. Der Mann vom Sozialpädagogischen Dienst glaubt an einen "ganzheitlichen Ansatz". Man müsse Projekte in Rumänien unterstützen und den Eltern dort bei der Erziehung zu helfen.

Klaukinder stellen die deutschen Behörden vor ein bisher unlösbares Problem: Weder kann man die minderjährigen Rumänen einfach zurückschicken, noch sie festhalten und für ihre Straftaten belangen. Um einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden, gibt es laut Polizeiangaben bereits Gespräche zwischen Polizei, Justiz, Verwaltung und der rumänischen Botschaft.

Einig sind sich die Beteiligten bislang nur in einem Punkt: "Deutschland ist auf strafunmündige Täter nicht eingestellt."

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