Aus Los Angeles berichtet Marc Pitzke
Wie wacklig seine Position vor Gericht ist, zeigt sich allein daran, dass Spector schon einige Star-Anwälte verschlissen hat. Darunter Robert Shapiro, einst Mitglied des "Dream Team" von O.J. Simpson, und Leslie Abramson, berühmt geworden als Verteidigerin der mordenden Millionärssöhne Erik und Kyle Menendez.
Mittlerweile führt Mafia-Anwalt Bruce Cutler Spectors Verteidigung. Zu Cutlers früheren Klienten zählten der New Yorker "Pate" John Gotti, damals Chef der Gambino-Familie, sowie die "Mafia-Cops" Louis Eppolito und Steve Caracappa, die voriges Jahr wegen Mordes und Verschwörung lebenslang in Haft wanderten.
Cutler ist ein bulliger Mann, dessen Nacken über den verknitterten Hemdkragen quillt. Seine Strategie: die Zeugen der Anklage im Kreuzverhör diskreditieren. Etwa den Leichenbeschauer Louis Pena, der Clarksons Autopsiebericht samt Fotos vorstellte und beharrte, dass sie nicht von eigener Hand gestorben, sondern umgebracht worden sei.
Oder die Kellnerin Melissa Grosvenor, eine von vier Frauen, die die Anklage auffuhr, um Spectors Neigung zu Gewalt zu illustrieren. "Er kam heran, drückte mir den Revolver zwischen die Augen und sagte: 'Wenn du versuchst, mich zu verlassen, werde ich dich töten.'"
"Hallo-Wach"-Pillen und ein Viagra
Oder Adriano De Souza, Spectors Chauffeur am fraglichen Abend. Der Brasilianer sagt aus, er habe zwei Stunden in der Einfahrt gewartet, dann einen Schuss gehört, nach dem Spector mit einem Revolver in der Hand und den Worten vor die Tür gestürzt sei: "Ich glaube, ich habe jemanden umgebracht."
Oder selbst den Chef-Ermittler Lillienfeld, der die blutverschmierte Tatwaffe im Gerichtssaal vorzeigt und berichtet, im Stuhl neben der Toten habe eine Aktentasche mit den Initialen "PS" gelegen. Inhalt: diverse Tabletten, darunter "Hallo-Wach"-Pillen und ein Viagra.
Der kahlköpfige Richter Larry Paul Fidler steuert das oft turbulente Vorgehen immer wieder in ruhe Gefilde. Wie ein Orakel präsidiert er über das Verfahren, Kinn auf die Hände gestützt, die Augenbrauen hochgezogen.
"Heute so elegant"
Spectors Schicksal entscheidet sich daran, wem die zwölf Geschworenen und sechs Ersatzleute glauben. Sie sitzen unbewegt an der linken Saalseite, fünf Frauen, 13 Männer jeden Alters und jeder Hautfarbe. Einige machen sich ab und zu Notizen. Vor dem Prozess mussten sie einen langen Fragebogen ausfüllen und angeben, ob sie Meinungen wie diese teilen: "Prominente glauben, dass sie tun können, was sie wollen. Prominente glauben, sie können die Regeln beugen. Prominente missbrauchen ihren Status und ihre Macht, um andere einzuschüchtern."
Nach dem ersten Ansturm von Schaulustigen sind im Publikum nur noch die Hartgesottenen verblieben. In der zweiten Reihe, in einem übergroßen Navy-Blazer, kauert Dominick Dunne, der Korrespondent von "Vanity Fair", der sich keinen Hollywood-Prozess entgehen lässt. Weiter rechts sitzt AP-Gerichtsreporterin Linda Deutsch, die Spector jovial-schelmisch begrüßt: "Sie sehen heute so elegant aus."
Es ist eine höfliche Lüge.
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