Memmingen - Die allein stehende Bäuerin wollte nach Angaben der Behörden den Entzug des Sorgerechts verhindern. Die 46-Jährige sei mit Hof, Haushalt und Kind überfordert gewesen und habe befürchtet, dass das Jugendamt ihr die kleine Anja wegnehmen könnte, erklärte die Staatsanwaltschaft Memmingen heute. Deshalb habe sie das Kind von Geburt an verborgen und nirgendwo gemeldet.
Die Mutter "betreute und erzog das Mädchen Anja, das sich im Haus weitgehend frei bewegen konnte, aus ihrer Sicht nach besten Kräften und führte sie gelegentlich auch kurzzeitig ins Freie". Der 51-jährige Vater habe Mutter und Kind regelmäßig besucht. "Nach eigenen Angaben gelang es ihm nicht, die Mutter zu einer Änderung der Verhältnisse zu überreden", teilten Staatsanwaltschaft, Polizei und Landratsamt in einer gemeinsamen Erklärung mit.
Das Mädchen, das seit seiner Befreiung am vergangenen Donnerstag in einer Kinderklinik sei, weise Entwicklungsverzögerungen auf und spreche wenig. Es sei aber ausreichend ernährt und weise keine Spuren körperlicher Gewalt auf.
Die Frau habe nach dem Tod ihrer Mutter und wegen der Pflegebedürftigkeit ihres Vaters die elterliche Landwirtschaft allein weitergeführt. "Ihre dadurch bedingte Arbeitsüberlastung führte zu einer Vernachlässigung von Wohnung und Haushalt. Als dann 1999 ihr Kind nicht ehelich geboren wurde, hatte sie die Befürchtung, dass ihr Anja auf Grund des wenig geordneten Zustandes ihres Umfeldes von den Behörden entzogen wird", erklärten die Behörden. "Als Hintergrund für ihr Verhalten kommt eine persönliche Überforderung in Betracht."
Das Jugendamt Günzburg beantragte beim Familiengericht den vorläufigen Entzug des Sorgerechts. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Misshandlung Schutzbefohlener, hat aber keinen Haftbefehl beantragt. Die Frau wird an einem anderen Ort ärztlich betreut. Sie habe derzeit keinen Kontakt zu ihrer Tochter, sagte Oberstaatsanwalt Johann Kreuzpointner. Gegenüber Ortsbürgermeister Ewald Schmid hatte sie sich erleichtert gezeigt, dass jetzt alles raus sei.
ffr/AP
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