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27.07.2007
 

Schwere Vorwürfe

Flüchtlingskinder werden misshandelt

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erhebt schwere Vorwürfe gegen spanische Aufnahmezentren für Flüchtlinge: Sie sollen minderjährige afrikanische Bootsflüchtlinge systematisch misshandeln, auch sexuell.

Madrid - Mindestens in zwei Aufnahmezentren auf Teneriffa und Gran Canaria würden die Kinder übelst misshandelt, kritisiert die Organisation. Sie würden von den Betreuern geschlagen und tagelang in Zellen eingesperrt, als wären sie Häftlinge, sagte Human-Rights-Watch-Sprecherin Simone Troller. Es gebe auch Fälle von sexuellem Missbrauch.

Die kanarischen Behörden wiesen den Bericht der Organisation zurück. Die Staatsanwaltschaft habe die Vorwürfe bereits untersucht und keinerlei Anhaltspunkte dafür entdeckt.

Unter den rund 31.000 Bootsflüchtlingen, die im vergangenen Jahr auf die Kanaren gelangten, gab es etwa 900 Kinder, die ohne Eltern oder Familie unterwegs waren. Sie kommen in gesonderte Aufnahmezentren und können meistens nicht in ihre Heimat zurückgeschickt werden.

Human Rights Watch hatte im Januar elf dieser Zentren besucht und drei von ihnen beanstandet. Diese müssten geschlossen werden, forderte die Organisation. Sie kritisierte zugleich, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft seien nur sehr oberflächlich gewesen. Aus Angst vor Bestrafung trauten sich die Kinder nicht auszusagen. Zudem stünden ihnen weder Anwälte noch Sozialarbeiter zur Verfügung.

Die Generalstaatsanwaltschaft in Madrid forderte die Behörden der Kanaren auf, ihr die Ermittlungsergebnisse zur Prüfung zu schicken. Die kanarische Sozialministerin Inés Rojas kündigte an, sich persönlich ein Bild der Zentren machen zu wollen.

Die Behörden auf den Kanarischen Inseln richteten vier Zentren zur Unterbringung von bis zu 500 Kindern ein. Nachdem Spanien in Zusammenarbeit mit anderen europäischen Staaten und der EU-Grenzschutzbehörde Frontex die Kontrollen auf dem Atlantik verstärkt hatten, kamen in diesem Jahr bislang 4700 Flüchtlinge auf den Kanaren an. In der vergangenen Woche kenterte 180 Kilometer südlich der Kanarischen Inseln ein Flüchtlingsschiff, rund 50 Insassen kamen ums Leben.

jjc/AFP/dpa

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