Antalya - Der Prozess gegen den Schüler aus dem niedersächsischen Uelzen, dem sexueller Missbrauch einer 13-jährigen Britin vorgeworfen wird, findet zwar unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, doch brach der medizinische Gutachter heute vor Journalisten sein Schweigen. Nach seiner Vernehmung sagte der Krankenhausarzt Levent Hekim, er habe Charlotte M. noch in der fraglichen Nacht untersucht und keine Anzeichen für eine Vergewaltigung entdeckt.
Es sei auch kein Geschlechtsverkehr vollzogen worden. Er habe allerdings Spermaspuren gefunden. Mit dieser Aussage entlastete er Marco. Dessen Anwälte erklärten in einer Verhandlungspause, der Prozess werde am 6. September fortgesetzt. Marco bleibe bis dahin in Untersuchungshaft.
Der Schüler aus dem niedersächsischen Uelzen sitzt bereits seit Ostern in Untersuchungshaft. Er hatte ausgesagt, dass es mit der Engländerin im Einvernehmen zu Zärtlichkeiten gekommen sei. Diese Version bestätigte der Arzt.
Seine Frage an Charlotte, ob Marco ihr Gewalt angetan habe, habe sie verneint, sagte Hekim. Im Gegenteil, das Mädchen habe ihm gesagt, sie habe Marco eingeladen. Mutter und Schwester seien aber sehr aufgeregt gewesen, als sie den Mediziner Hekim auf Anraten des Hotelarztes aufgesucht hätten. Die Mutter habe Angst vor einer möglichen Schwangerschaft des Mädchens gehabt.
Marco und das Mädchen hatten sich im Badeort Side kennengelernt und waren nach einem Discoabend mit anderen Jugendlichen in Charlottes Hotelzimmer gelandet. Marco sagte, die Initiative sei von dem Mädchen ausgegangen, das sich als älter ausgegeben habe.
Der inhaftierte Marco befindet sich nach Angaben seines Anwalts Jürgen Schmidt in schlechter Verfassung. Es sei "unverhältnismäßig", dass die Untersuchungshaft für den Jugendlichen nun bereits fast vier Monate andauere, sagte Schmidt. Seine Eltern waren zu dem Prozess erneut angereist.
In einem NDR-Fernsehinterview appellierte Marcos Vater heute an die Eltern der Britin, ihre Anzeige zurückzuziehen. Die "Bild"-Zeitung veröffentlichte einen Brief von Marcos Mutter, in dem sie über ihre Sorgen und Ängste schreibt. Das britische Mädchen wird nach Angaben des Arztes zurzeit psychologisch betreut.
jdl/dpa
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