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10.08.2007
 

Post aus der Zelle

Charlottes Anwalt nennt Marcos Brief gottlos

Der Schüler Marco Weiss hat aus seiner Gefängniszelle in Antalya einen Brief an die 13-jährige Britin Charlotte geschrieben - jetzt empört sich der Anwalt des Mädchens. Er bezeichnete das Schreiben als vollkommen unangebracht. Es werde dem 17-jährigen Deutschen überhaupt nichts bringen.

Berlin - "Charlotte wird keinesfalls auf den Brief antworten", sagte der türkische Anwalt des Mädchens, Ömer Aycan aus Antalya, der Berliner Tageszeitung "B.Z.". "Der Brief ist vollkommen unangebracht. Charlotte soll durch diesen Brief ihre Anzeige zurückziehen, damit sich die Sache in Luft auflöst? So etwas empfinde ich als gottlos." In dem Brief bittet Marco Charlotte, ihre Anzeige zurückzuziehen. Marco wird vorgeworfen, das Mädchen im Türkei-Urlaub im April sexuell missbraucht zu haben. Der Schüler aus Uelzen (Niedersachsen) bestreitet die Tat.

Marcos Brief: "Ich hatte echte Gefühle für Dich"
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DPA

Marcos Brief: "Ich hatte echte Gefühle für Dich"

In dem Schreiben heißt es: "Liebe Charlotte, ich weiß nicht, warum Du mich in eine solche Situation gebracht hast. Ich mag Dich sehr sehr gerne und ich hatte wahre Gefühle für Dich und ich wollte mit Dir in Kontakt bleiben." Charlotte wisse, was zwischen ihnen passiert sei. "Ich vermisse mein ganzes Leben, und ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe. Ich wusste nicht, dass Du erst 13 Jahre alt bist", heißt es weiter in dem Brief, den der Schüler Ende Juni in dem türkischen Gefängnis auf Deutsch geschrieben und an seine Mutter gesendet hat. Eine Freundin hatte den Text ins Englische übersetzt und an Charlotte geschickt.

Das Schreiben könne aber nicht als Entschuldigung gewertet werden, wie es türkische Medien getan hätten, sagte Marcos Anwalt, Nikolaus Walther, heute in Uelzen. "Darin wird weder ein Fehlverhalten eingeräumt, noch eine Entschuldigung ausgesprochen."

Marcos Anwalt betonte abermals, dass der Junge psychisch stark angegriffen sei. "Die Haftbedingungen und die enttäuschten Hoffnungen setzen dem Jungen immens zu", betonte Walther. Der 17-Jährige sei während der Haft abgemagert und nach der Entscheidung des Gerichts in Antalya am vergangenen Mittwoch, wonach er weiterhin im Gefängnis bleiben muss, "in ein tiefes Loch gefallen".

Die Hoffnung auf eine Freilassung vor dem Fortsetzungstermin am 6. September werde zwar nicht aufgegeben, sei aber sehr gering. Die andauernde Untersuchungshaft war mit einem Rechtshilfeersuchen an Großbritannien begründet worden. Ziel dieses Ersuchens ist es, Charlotte befragen zu können.

Marco hatte Charlotte während eines Osterurlaubs im Badeort Side kennengelernt. Nach einem Discoabend mit anderen Jugendlichen waren sie im Hotelzimmer des Mädchens gelandet. Die Initiative zu den Zärtlichkeiten sei von dem Mädchen ausgegangen, das sich als 15-Jährige ausgegeben habe, sagte Marco. Am folgenden Tag wurde Marco unter dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs festgenommen, nachdem die Mutter des Mädchens Anzeige erstattet hatte.

SPIEGEL ONLINE dokumentiert den Brief von Marco Weiss an Charlotte im Wortlaut:

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