Duisburg - Nicht kommentieren wollte die Polizei heute einen Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach die Morde womöglich von der Familie eines der Opfer in Auftrag gegeben wurden. Das Blatt stützte seinen Bericht auf die Angaben eines angeblichen Schlüssel-Zeugen der Polizei, bei dem es sich demnach um einen Mafia-Insider handeln soll. Der Mann soll der Meldung zufolge jahrelang für den erschossenen "Da Bruno"-Chef Sebastiano S. gearbeitet haben. Die Zeitung zitierte den angeblichen Zeugen mit der Aussage, die sechs Männer hätten sterben müssen, weil der Restaurantchef "mehr Einfluss in seinem Clan wollte". "Da ließ seine eigene Familie ihn töten."
Über die "Läden" des 38-jährigen S. habe die Mafia viel Drogengeld gewaschen, sagte der angebliche Insider der Zeitung. Als Dank dafür habe S. die Kontrolle über mehr Restaurants in Duisburg verlangt. "Das war sein Todesurteil", zitierte das Blatt den Mann. "Die Familie fand ihn zu gierig."
Der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolf (FDP) widersprach derweil heute vor dem Innenausschuss des Landtages in Düsseldorf entschieden Berichten über Ermittlungspannen und Organisationsversagen bei den Fahndungsbehörden. "Der Polizei in Nordrhein-Westfalen lagen vor dem sechsfachen Mord von Duisburg keine Anhaltspunkte für diese Tat vor", betonte der Minister. Gleiches gelte für die italienischen Behörden.
Wolf betonte, es gebe bislang auch keine Bestätigung für die Behauptung, dass eines der Opfer an der Ermordung der Ehefrau eines hochrangigen Mafiamitgliedes im Dezember 2006 in Italien beteiligt gewesen sei. Diese Tat soll zu einem Wiederaufflammen der Fehde zwischen den Mafia-Familien Votarri/Romeo/Pelle und Strangio/Nirta geführt haben. Gegen keines der Opfer habe zur Tatzeit in Italien ein nationaler oder internationaler Haftbefehl bestanden.
Der Leiter der Abteilung Polizei im Düsseldorfer Innenministerium, Carl Friedrich von Bauer, ergänzte, es gebe Hinweise, das eines der Opfer Anfang Juni von Italien nach Deutschland gekommen sei, um Waffengeschäfte zu tätigen.
Bei dem Duisburger Massaker waren in der Nacht zum Mittwoch vergangener Woche in Nähe des Duisburger Hauptbahnhofs vor dem Restaurant Da Bruno sechs Italiener im Alter von 16 bis 39 Jahren erschossen worden. Auslöser für den Sechsfachmord war vermutlich eine Fehde zwischen zwei Clans der kalabresischen Mafia 'Ndrangheta. Die Frage, ob künftig mit ähnlichen Vorfällen zu rechnen sei, ließ Landeskriminaldirektor Rolf Behrendt vor dem Landtagsausschuss offen. Es sei noch zu früh für eine zuverlässige Gefährdungsbewertung.
Unterdessen wurden heute unter strengen Sicherheitsvorkehrungen zwei Opfer in Italien beerdigt. Die Leichen der Brüder seien am Morgen in der süditalienischen Stadt Reggio Calabria eingetroffen und sofort in die Kirche des Ortes Siderno gebracht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. "Wer diese schrecklichen Taten begangen hat, der muss Reue zeigen", sagte der Pfarrer. "Keiner von uns darf seine eigenen Brüder zum Tode verurteilen." Auf Anweisung der Stadtverwaltung von Reggio Calabria gab es aus Sicherheitsgründen keinen Trauerzug, weil neue Gewalttaten befürchtet wurden.
Drei weitere Opfer der Morde sind mittlerweile nach Rom gebracht worden und sollen mit drei Leichenwagen nach Kalabrien gefahren werden. Auch sie sollen ohne Trauerzug beigesetzt werden. Ein weiteres Opfer - ein 18-Jähriger, der als einziger nicht zu dem Familienclan der übrigen Opfer zählt - wird morgen in Mülheim an der Ruhr beigesetzt.
jdl/AP/dpa/AFP
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