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24.08.2007
 

Kinderleiche in Kühltruhe

Dennis' Eltern erneut vor Gericht

Dennis war erst sechs, als er starb. Seine Eltern hatten ihn verhungern lassen, die Mutter versteckte den Leichnam in der Familien-Kühltruhe. Vor dem Cottbuser Landgericht wird jetzt erneut über das Strafmaß für die Tat verhandelt.

Cottbus - Dennis' 46 Jahre alte Mutter Angelika B. und ihr 40 Jahre alter Ehemann Falk B. stehen nun also bereits zum zweiten Mal vor Gericht - das Strafmaß muss erneut festgelegt werden.

Weil "das Mordmerkmal der Grausamkeit" nicht bewiesen sei, hatte der Bundesgerichtshof (BGH) die 2006 vom Cottbuser Schwurgericht verhängte lebenslange Haftstrafe wegen Mordes durch Unterlassen aufgehoben. Der Schuldspruch wurde auf Totschlag reduziert.

Dennis' verweste Leiche war nach zweieinhalb Jahren im Juni 2004 in der defekten Kühltruhe der Familie entdeckt worden. Die Mutter hatte sie dort versteckt. Den Eltern drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Ihre Verteidiger beantragte zu Verhandlungsbeginn, Mitarbeiter aus dem Schul- und Jugendamt als Zeugen zu laden. Die staatlichen Versäumnisse könnten sich strafmildernd für die angeklagte Mutter Angelika B. und ihren Mann auswirken.

Die Verteidiger wollen die Fehler der Behörden in den Mittelpunkt des Prozesses stellen. So stand Dennis als "noch nicht angemeldet" bereits im Klassenbuch der zuständigen Grundschule, tauchte aber auch nach dem Einschulungstermin 2001 nie dort auf. Jugendamt, Schulamt und Lehrer forschten nicht gründlich nach. "Eine schulärztliche Untersuchung im Frühjahr oder Sommer 2001 hätte Dennis' Tod verhindert", sagte Rechtsanwalt Dieter Magsam.

Nach dem Fund der Leiche hatte es Disziplinarverfahren gegen Mitarbeiter der Ämter gegeben. Das Brandenburger Bildungsministerium ordnete an, dass Kinder zur Anmeldung in der Schule persönlich vorgestellt werden müssen.

Die Angeklagten kamen zu Fuß ins Gericht. Schon die Richter des ersten Prozesses hatten den Haftbefehl ausgesetzt, bis ein rechtskräftiges Urteil ergangen ist. Noch immer wohnen Angelika und Falk B. mit drei mittlerweile volljährigen Kindern in der Wohnung, in der sich das Drama abspielte. Von den Nachbarn im Plattenbaugebiet Sandow werden sie "die Eisfamilie" genannt.

Graugesichtig und wortkarg saßen beide im Gerichtssaal. "Ich erwarte gar nichts. Ich hoffe nur, dass es schnell zu Ende geht", sagte die Mutter vor Beginn.

Ihre kleineren Kinder leben mittlerweile im Heim. "Ich habe sie dahin gegeben, weil ich ja vielleicht doch ins Gefängnis muss", flüsterte Angelika B. Einmal pro Woche besuche sie die Acht- bis Elfjährigen. Der Anwalt von Falk B. hält es für wahrscheinlich, dass die Frau diesmal eine härtere Strafe als ihr Mann erhält. "Das ist ungerecht angesichts der gemeinsamen Verantwortung, aber die gesellschaftliche Rollenverteilung bei der Kinderbetreuung ist nun mal so", sagte Magsam.

pad/AP/dpa

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