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25.08.2007
 

Mord in Liverpool

Polizei nimmt weitere Verdächtige fest

Mit Hochdruck sucht die Liverpooler Polizei nach dem Mörder des elfjährigen Rhys Jones: Sie nahm weitere Teenager fest, darunter auch Mädchen. Doch die Ermittler müssen gegen eine Mauer des Schweigens kämpfen.

Berlin - Zunächst nahm die Polizei heute eine Gruppe von fünf jungen Leuten - drei Jungen im Alter von 15, 16 und 19 Jahren sowie zwei Mädchen im Alter von 15 und 18 Jahren - in Gewahrsam. Später wurde ein zweiter 19-Jähriger inhaftiert. Damit haben die Ermittler bislang neun Jugendliche festgenommen, zwei kamen jedoch wieder gegen Kaution frei. Es ist unklar, wie viele der Festgenommenen als Zeugen oder Mitwisser und wie viele als Tatverdächtige verhört wurden.

Einer der heute inhaftierten Jugendlichen hatte sich nach
Angaben eines Polizeisprechers mit einem Sprung aus einem Fester der Festnahme entziehen wollen. Der Teenager habe sich dabei verletzt und sei ärztlich versorgt worden.

Unterdessen gab es in Liverpool eine weitere Schießerei. Ein
bewaffneter Mann verletzte gestern Abend zwei Wachmänner eines Nachtclubs in der Straße Penny Lane, die einst mit einem Song der Beatles weltberühmt wurde. Einer der Wachleute erlitt Schusswunden im Bauch und war in kritischem Zustand, der andere galt als stabil. Die Polizei erklärte, offensichtlich gebe es keine Verbindung zwischen den Schüssen und dem Mord an Rhys Jones.

Der elfjährige Rhys Jones war am Mittwoch auf dem Heimweg vom Fußballspielen erschossen worden. Die Polizei sucht nach einem Teenager, der von einem BMX-Rad aus auf Rhys und seine Freunde feuerte und dann entkam.

Die Suche gestaltet sich schwierig, weil aus der Bevölkerung nur wenige Hinweise bei der Polizei eingehen.. Die Behörden gehen davon aus, dass Anwohner wissen, wer der Täter ist. Die Polizei wandte sich erneut an die Öffentlichkeit: Die Anwohner müssten "sich erheben" und gegen den Killer und "die Banden-Kultur" aufstehen, sagte Superintendent Chris Armitt. Alle, die etwas über die Tat wissen könnten, "müssen sich selbst anschauen und ihr Gewissen befragen".

Einem Zeitungsbericht zufolge haben mindestens 15 Kinder und Jugendliche den Mord gesehen. Die Bluttat sei nur wenige Meter von einer Gruppe Jungen und Mädchen geschehen, die einen "kristallklaren Blick" auf den Mörder hatte, sagte ein Zeuge dem "Daily Mirror".

Doch die Bewohner haben Angst vor den Jugendgangs, die die Straßen des Viertels beherrschen und denen vermutlich auch Rhys zum Opfer gefallen ist. Bei dem Kampf zwischen Banden der Viertel Croxteth und Norris Green gehe es vor allem um Drogengeschäfte und Fragen von Respekt und Ehre, schreibt die "Times". Waffen seien sehr leicht zu besorgen und einzusetzen, sagte ein Gangmitglied dem "Guardian".

Für heute ist ein erneuter Polizei-Aufruf vor 40.000 Fußballfans geplant - beim Spiel von Rhys' Lieblingsclub Everton gegen die Blackburn Rovers. Auch der Vater und der Bruder von Rhys werden zu dem Spiel erwartet. Gestern hatten die Eltern am Tatort Blumen niedergelegt, mit dem Schriftzug "Gute Nacht und Gott segne Dich, bis wir uns wieder sehen. All unsere Liebe und Küsse, von Mami, Papi und Owen".

Trotz des Großeinsatzes von rund 300 Polizisten gibt es noch keine klaren Hinweise auf den Killer. Die Polizei bekam unter anderem die Erlaubnis, die Menschen auf den Straßen in und um Croxteth zu durchsuchen. Die Boulevard-Zeitung "The Sun" schrieb 100.000 Pfund (150.000 Euro) für Hinweise auf den Täter aus.

kai/cvo/dpa/Reuters/AP

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