Von Jochen Schönmann
Über Monate tappte die Kripo im Dunkeln, ging dieser Spur nach und jener, hatte zwar einen Verdacht, aber keine Fakten in der Hand. "Da wurde der graue Ford, der Mannheim und Umgebung in Aufruhr versetzt hatte, im Hüttenfelder Wald - nördlich von Viernheim, westlich der Autobahn gefunden." Nicht weit übrigens von der Stelle, wo zuvor der rote Chevrolet entdeckt wurde. Der US-Leutnant erhielt beide Wagen zurück. Erleichterung seinerseits.
Trotzdem kamen die Ermittler nicht wirklich weiter. Zwar stellte die Kripo "Knabenschuh" und seinen Freunden nach, meist in der Mannheimer Neckarstadt, im "Viertel der roten Laternen", sie verhörten auch den ein oder anderen, aber die Gauner hielten dicht. Eine richtige Spur wollte einfach nicht auftauchen. Allzu clever hatten sich die Beamten in der Affäre allerdings bisher auch nicht angestellt.
Bis der Kripochef von ein paar Pilzesuchern hörte, dass sie im Wald mehrmals verdächtige Männer auf einer 200er Zündapp gesehen hätten, ungefähr dort, wo auch der Chevrolet abgestellt worden war. Er beschloss, der Spur nachzugehen und fand tatsächlich die Reifenspuren des Motorrads. Und nicht weit davon entfernt: eine Tankstellenquittung. Jemand hatte sie benutzt, um sich, wohl mangels Alternativen, den Hintern damit abzuwischen. Trotzdem war - verständlicherweise undeutlich - eine Telefonnummer darauf zu erkennen. Das war alles.
Die Beweislage war sozusagen beschissen. Aber die Spürnasen von Kripochefs sind offensichtlich hart im Nehmen. Die Quittung wurde gesäubert, was, wie das Foto in der Ausstellung beweist, niemals vollständig gelungen ist, und die Nummer identifiziert. Es war die Mutter eines von "Knabenschuhs Liebchen". Damit war die Verbindung hergestellt. Als die Kripo endgültig wusste, wer hinter dem Raub steckte, setzte sie eine hübsche Beamtin ein, die die schweren Jungs aushorchte und mit deren Hilfe man schließlich die Beute fand.
Der Postraub spielt in der Ausstellung "Spurensuche" nicht nur eine skurrile Sonderrolle. Es ist auch der einzige durchgängige Fall, der in Mannheim gezeigt wird. Die restlichen Bilder folgen einer anderen Idee. Sie sind thematisch nach Orten und gesellschaftlichen Zusammenhängen geordnet und zeigen nicht nur die Entwicklung von einer im Wortsinne ruinierten Stadt nach dem Krieg, sondern auch ihren Wiederaufbau, ihren Aufschwung und ihre Entwicklung zu moderner Urbanität und Umtriebigkeit.
Immer damit verbunden: Der unverstellte Blick ins intimste Privatleben, das die Polizeifotografen wie niemand sonst vor die Linse bekamen. Es ist die erste große Ausstellung deutscher Polizeifotografie und die Bilder geben oftmals gerade die Geschehnisse und Szenen abseits des eigentlichen Motivs wieder: tiefe Einblicke in die Welt von gestern.
Die Ausstellung eröffnet am Sonntag, 11 Uhr, im Anna-Reiss-Saal, Mannheim, in D5.
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