Sonntag, 22. November 2009

Panorama



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27.09.2007
 

Mordfall von Metzler

"Er hat nicht nur ein Leben zerstört"

Von Jörg Diehl

Magnus Gäfgen entführte und ermordete vor fünf Jahren den Bankierssohn Jakob von Metzler. Das Landgericht Frankfurt schickte den Jurastudenten dafür lebenslang ins Gefängnis. Doch weil ein Polizist den Täter im Verhör bedrohen ließ, könnte das Urteil gekippt werden.

Frankfurt am Main - Pressesprecher gelten gemeinhin als beherrschte und überlegt handelnde Zeitgenossen. Als Michael Bußer vom hessischen Innenministerium auf die Ankündigung, man habe einige Fragen zu den Ermittlungen im Fall Jakob von Metzler, zunächst mit einem tiefen, genervten Stöhnen antwortet und dann erst einmal nichts mehr sagt, ist das ein deutliches Indiz für die heikle Schwierigkeit des Thema.

Der Fall des erdrosselten Elfjährigen und damit auch der Fall des Mörders Magnus Gäfgen haben vor fünf Jahren das ganze Land in Aufruhr versetzt. Der "selbstverliebte", "arrogante" und dem Geld verhaftete Jurastudent, wie ihn ein Polizeipsychologe später beschrieb, entführte und tötete am 27. September 2002 den kleinen Jakob, dessen ältere Schwester er flüchtig kannte.

In ihrem Buch "Sie werden dich nicht finden" hat die frühere Polizeireporterin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Adrienne Lochte, rekonstruiert, wie Gäfgen den arglosen Jungen in seine Wohnung lockte. Um seinen aufwendigen Lebenswandel zu finanzieren, hatte der damals 27-Jährige von der wohlhabenden Frankfurter Bankiersfamilie von Metzler eine Million Euro Lösegeld erpressen wollen. Jakob, gefesselt und geknebelt, erstickte jämmerlich.

Wenige Tage später kam es in einem Vernehmungszimmer des Frankfurter Polizeipräsidiums zu der folgenschweren Situation, die noch heute die Justiz beschäftigt. Auf Weisung des damaligen stellvertretenden Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner drohte der Kriminalhauptkommissar Ortwin E. dem leugnenden Gäfgen die Verabreichung eines Wahrheitsserums sowie Schmerzen an, wie er sie noch nicht erlebt habe.

Die Polizisten standen unter enormen Druck. Sie wollten das Leben des vier Tage zuvor entführten Jakob retten und ahnten nicht, dass dieser bereits tot war. "Die Republik wird nicht verstehen, wenn wir zuwarten", mahnte Daschner seine zögerlichen Kollegen, wie sich der Beamte Stefan M. später erinnerte.

Und tatsächlich: Gäfgen bekam es mit der Angst zu tun, redete, gestand und führte die Ermittler schließlich an den Teich, wo er die Leiche des kleinen Jakob unter einem Steg versteckt hatte. Die Beamten stellten Faser- und DNA-Spuren sicher. Sie fanden Reifenspuren seines Wagens in der Umgebung. Sie filmten, wie er auf die Bergung der Leiche reagierte. Und sie glaubten sich auf der Seite des Gesetzes.

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