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02.11.2007
 

Wiener Sumpf

Die feinen Freunde der Polizei

Von Marion Kraske, Wien

Die Affären bei der Wiener Polizei reißen nicht ab. Erst wurde der suspendierte Polizeichef Roland Horngacher wegen Amtsmissbrauchs verurteilt. Jetzt kommt heraus: Ein ominöser Verein päppelte die Exekutive mit Geschenken. Was bekam er dafür?

Wien - Der Verein hat einen seltsamen Namen und eine noch seltsamere Adresse: "Freunde der Wiener Polizei", Schottenring 7-9, A-1010 Wien. Das seltsame an dieser Anschrift: Es ist auch die Adresse der Wiener Polizeidirektion. Der Verein residiert hier gar nicht. Er hat kein Büro, keinen Schreibtisch, nur ein Postfach.

Präsident der Polizeifreunde ist Adolf Wala, ein gepflegter Herr mit dunklem Anzug und üppiger Silbertolle. Früher einmal war er der oberste Wächter der Österreichischen Nationalbank, ein seriöser Mann, er verströmt den distinguierten Charme eines Zigarrenclubmitglieds.

Jetzt sitzt er in einem Büro eines befreundeten Unternehmers, das Wiener Rathaus in Wurfweite, an den Wänden hängt moderne Kunst. Ein wenig mitgenommen sieht Wala aus. Der Ärger der letzten Tage steht ihm ins Gesicht geschrieben, nun ist er um Schadensbegrenzung bemüht. Denn seine Polizeifreunde sind ins Gerede gekommen.

"Die Optik", räumt Wala ein, sei "nicht gut." Das sieht auch die Wiener Staatsanwaltschaft so, sie will den Postfach-Verein genauer unter die Lupe nehmen, auch das Büro für Interne Ermittlungen der Wiener Polizei ist eingeschaltet. Es geht um einen schlimmen Verdacht: Ist die Wiener Polizei korrupt? Es gebe "schlampige Verhältnisse, die man lieber vermieden sähe", kommentiert der "Standard". Und es geht, einmal mehr, um die Wiener Polizei, die in den vergangenen Monaten einen Skandal nach dem anderen produzierte.

Dabei habe man in den 37 Jahren seit Vereinsgründung viele "positive Dinge" gemacht, versichert Wala und richtet seine schwarzen Hosenträger unterm Sakko. Einsatzwagen habe man der finanzschwachen Exekutive besorgt, gleich 15 Stück, Reanimationsgeräte wurden gekauft. "Die haben Leben gerettet." Und das ist längst nicht alles, auch Computer gab es für die uniformierte Garde, Schnittchen bei Polizeifeiern, Hilfe für bedürftige Polizeiwitwen.

Dass die noble Helfertruppe nun in Verruf geraten ist, liegt zum einen an den Mitgliederlisten, die sich lesen wie das Who is Who der feinen Wiener Gesellschaft. "Honorige Personen", sagt Wala, stadtbekannte Promis, nadelbestreifte Banker, erfolgreiche Gastwirte, Unternehmer, Top-Manager und der rote Stadtpatron, Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ). Zu ihnen gesellen sich allerdings multiple Persönlichkeiten - der undurchsichtige Milliardär und einstige Schalck-Golodkowski-Geschäftspartner Martin Schlaff ist ebenso vertreten wie Kasinobetreiber und Sicherheitsfirmen, die für gute Bezahlung ihre kräftigen Jungs losschicken, um nach dem Rechten zu sehen.

"Keine Leistung ohne Gegenleistung"

Selbst der Besitzer des Wiener Edelpuffs Babylon - Eintritt 130 Euro, Zimmermiete pro halbe Stunde 200 Euro - soll um Aufnahme bei den "Freunden" gebeten haben. Am Wiener Flughafen locken die Damen des Etablissements auf einer riesigen Plakatwand mit weißen Dessous und koketten Engelchenflügeln um zahlungskräftige Kundschaft.

Wala versichert, er habe den Bordellbesitzer abgelehnt, dennoch erscheint der Name, reichlich merkwürdig, auf internen Vereinslisten. Wala bezeichnet sie als "Bewerberlisten".

Etliche, die mit der Polizei eigentlich dienstlich zu tun haben sollten, finden sich auf einmal als Freunde der Polizei wieder, wettert der Grünen-Politiker Peter Pilz. Das Ganze sei höchst anrüchig, schließlich gebe es langfristig "keine Leistung ohne entsprechende Gegenleistung".

Geschenke an die Polizei, sagt auch Franz Fiedler, ehemaliger Präsident des Österreichischen Rechnungshofes, seien "gefährlich". Er sieht in den freundlichen Zugaben an die Exekutive den Versuch, sich "einen Apparat geneigt" zu machen. Seine Landsleute, tadelt der Korruptionsexperte, der auch Transparency International berät, pflegten einen zu lockeren Umgang mit "Freunderlwirtschaft".

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