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Wiener Sumpf Die feinen Freunde der Polizei

2. Teil: Hilfe für die hohen Herren

Man wolle doch nur eine "sichere Stadt", beschwichtigt Vereinsboss Wala. Da müsse die Polizei eben ausgestattet werden. Dafür zahlten seine Mitglieder mitunter hübsche Sümmchen, bis zu 1000 Euro pro Jahr, sagt ein Eingeweihter, sei "der Kurs" gewesen.

Ganz so altruistisch wie die Vereinsspitze es jetzt darstellt, waren die Anliegen der noblen Spender aber wohl nicht. Denn bei kleinsten Problemchen sollen die Herrschaften um Hilfe gebeten haben: Da lagen Mitgliederausweise der Polizeifreunde, versehen mit einem Bundesadler, gut sichtbar hinter Windschutzscheiben - Parksheriffs gelten in der Donaumetropole als besonders scharf. Da ersuchte der ehemalige Botschafter Kasachstans dringend um tatkräftige Unterstützung - er brauchte einen Parkplatz. Ein andermal habe ein hochrangiger Manager um Rat gebeten, weil ein Schützling nach einem Besuch bei einer Prostituierten Unannehmlichkeiten hatte.

Gezielte Interventionen? "So was hat es bei uns nicht gegeben", sagt Wala kategorisch. Der ehemalige Kassierer des Vereins, Adi Krchov, selbst ein pensionierter Polizei-Beamter, sieht das anders. Er will die feinen Herrschaften mit ihren Anliegen "weitervermittelt" haben. Einmal habe sich ein Casinobetreiber im Prater an ihn gewandt, weil es angeblich Ärger mit randalierenden Afrikanern gab. Umgehend habe der einstige Landespolizeichef Roland Horngacher eine Streife geschickt und die Sache geregelt, unbürokratisch und schnell - und das, obwohl die vermeintlichen Randalierer unauffällig an ihren Spielautomaten saßen. Die Polizei, dein Freund und Helfer.

Kein Einzelfall, namhafte Persönlichkeiten hätten sich immer wieder wegen Strafzetteln an "Hofrat Magister Horngacher persönlich" gewandt, enthüllte jetzt das Wiener Stadtmagazin "Falter". Selbst der Chef der Staatsanwaltschaft suchte danach bei einem privaten Verkehrsdelikt offenbar zunächst den kleinen Dienstweg. Damit dürfte es zunächst einmal vorbei sein. Jüngst wurde der einst so mächtige Polizeigeneral, der in der Öffentlichkeit gerne in schmucken Paradeuniformen daherstolzierte, vorläufig in erster Instanz zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, wegen Amtsmissbrauchs und Weitergabe von Dienstgeheimnissen. Eine derartige Strafe, betonte der Richter, sei "gerade bei den derzeitigen Zuständen in der Wiener Polizei" erforderlich.

Österreich ein Folterstaat?

Erst im vergangenen Jahr wurde der Chef der Kripo, Hofrat Ernst Geiger verurteilt. Eine Kammer befand ihn für schuldig, einen befreundeten Bordellbesitzer, der in Wien-Simmering die Sex-Sauna "Golden Time" führt, rechtzeitig vor Razzien gewarnt zu haben. Die Entscheidung wurde vom Höchstgericht inzwischen aufgehoben, nun wird der Prozess neu aufgerollt - dann geht es für Geiger nicht mehr nur um die Weitergabe von Dienstgeheimnissen, sondern um Amtsmissbrauch.

In Österreich fehle immer noch das Bewusstsein für Korruption, rügt der Politologe und Korruptionsexperte Hubert Sickinger. Im diesjährigen Korruptionsranking von Transparency International ist das Land denn auch stark zurückgestuft - derart abgestraft wurden lediglich Bakschischhochburgen wie Laos, Buthan oder Papua Neuguinea.

Der Verein der Polizeifreunde hat derweil bis auf Weiteres jegliche Finanzaktivtäten eingestellt. Für die schlagzeilenträchtige Wiener Polizeitruppe fordert Innenminister Günther Platter (ÖVP) zudem "Neubesetzungen". Der Tiroler, der sich vor allem beim Fremdenrecht als kompromissloser Hardliner gibt, drückte bei seinem eigenen Apparat bislang allerdings gerne beide Augen zu. Im vergangenen Jahr misshandelten drei Wiener Uniformträger einen Schwarzafrikaner - Amnesty International führt die betuliche Alpenrepublik seither als "Folterstaat". Und die Beamten? Versehen nach wie vor ihren Dienst.

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