Von Andreas Ulrich
Hamburg - "Deutschland im Jahr 2007. Das ganze Land ist der rigiden Nichtraucherpolitik der Bundesregierung unterworfen. Das ganze Land? Nein. Nicht unser in Tönning an der Nordsee ansässiger Verein Deutsche Hecke e.V." So beginnt, angelehnt an die Geschichte der unbeugsamen Gallier Asterix und Obelix, die heroische Selbstdarstellung jenes Vereins aus dem kleinen friesischen Ort, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, dem deutschen Steuerrecht ein Schnippchen zu schlagen.
Der Verein und seine laut Selbstdarstellung rund 380 Mitglieder haben es sich zum Ziel gesetzt, gegen Raucherdiskriminierung, militante Nichtraucherorganisationen und vor allem die hohe Besteuerung der Zigaretten anzukämpfen. Der angeblich ganz legale Steuertrick: Vereinsmitglieder bauen Tabak auf den Azoren an, um damit eigene Zigaretten herzustellen. Denn laut Steuergesetz, so die Auffassung des Vereins, seien ihre Tabakwaren, da aus selbstangebautem Rohtabak hergestellt und ausschließlich für den eigenen Bedarf verwendet, von der Steuer befreit.
Für jedes Mitglied sollten 99 Tabakpflanzen angebaut werden, also genug für etwa 60 Stangen Zigaretten, die von Profis hergestellt werden sollten. Sogar ein Zolllager wollten die Tönninger Raucherfreunde einrichten. Zunächst hatten es die rebellischen Nordfriesen mit heimischen Pflanzen probiert, aber dann, so Deutsche-Hecke-Vorsitzender Normann Fuhrmann, habe man das mit der Verarbeitung nicht so hinbekommen.
Ende des Jahres sollten die ersten Kippen aus vereinseigener Produktion fertig sein und ausgeliefert werden. Bis dahin versprach der Verein seinen Mitgliedern ganz konventionelle Rauchwaren bekannter Marken, aus EU-Ländern besonders günstig, vier Stangen West etwa für 124 Euro inklusive Versand, HB und Marlboro sind etwas teuer. Alles, so der Verein, ganz legal, weil versteuert in den Herkunftsländern und als Geschenk deklariert.
Bisweilen allerdings war Geduld gefragt, wie "Jens" am 28. Oktober auf der Gästeseite des Vereins im Internet "etwas genervt" beklagte: "Bestellung wurde am 28.8. per Lastschrift abgebucht und Sendung ist bis heute nicht bei mir eingetroffen. Frage mich schon, ob wir noch Freunde bleiben sollten?"
Möglicherweise hat sich diese Frage bereits erledigt. Denn die Römer, pardon Zöllner, setzten heute Morgen zum Sturm auf die Rebellen an. Sie durchsuchten das Büro des Vereins und die Wohnungen seines Vorstandes, um das angebliche Steuerschlupfloch zu schließen, wie der Sprecher der Hamburger Zollfahnder, Axel Hirth, soeben bestätigte. Denn entgegen der Auffassung des Vereins sei es sehr wohl steuerpflichtig, die Zigaretten ins Land zu bringen.
Mit der gewaltigen Übermacht von zwölf Beamten in fünf Autos schlug die Staatsmacht gegen die drei Verdächtigen zu. Mit offensiver Werbung für ihre Sache haben sie offenbar zuviel Qualm gemacht. Ob die rauchenden Rebellen im Recht sind oder ihnen nur zuviel Zigarettenrauch den Verstand vernebelt hat, müssen nun deutsche Gerichte klären.
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