Von Markus Flohr
Am Dienstag saß Pekka-Eric Auvinen aus Tuusula in der Nähe von Helsinki an seinem Computer. Er stellte ein Video ins Internet. In dem Video war zuerst seine Schule in Jokela zu sehen, dann er selbst, mit seiner Waffe: Pekka, wie er mit der Pistole auf einen Apfel schießt. Pekka, wie er auf die Kamera zielt. Pekka, wie er am Ende des Videos in die Kamera winkt. Als wollte er seine Mutter auch noch einmal grüßen.
Pekka-Eric publizierte das Video unter seinem Pseudonym "Sturmgeist89". Er gab dem Film den Namen "Jokela High School Massacre". In den Wochen zuvor hatte er schon Videos auf die Seite gestellt, in denen er unter anderem den beiden Schülern huldigt, die 1999 in den USA in Littleton an der Columbine High School zwölf Schüler und einen Lehrer erschossen hatten.
Bis Mittwochmittag schauten sich rund 200.000 Menschen Pekkas Video an. Dann nahm es YouTube von der Seite. Pekka hatte es den Schülern aus Littleton nachgemacht: Er erschoss fünf seiner Mitschüler, eine Mitschülerin, seine Rektorin und die Schul-Krankenschwester. Am Ende jagte er sich selbst eine Kugel in den Kopf.
Das ganze Land ist im Schockzustand
Als die ersten Nachrichten aus dem Örtchen in der Nähe von Helsinki durchs Internet jagten und über die Bildschirme flimmerten, trauten die Menschen ihren Augen und Ohren nicht. Für Finnland war es, als bräche eine Welt zusammen - so etwas passiert doch nur in den USA, aber nicht an einer Schule im Pisa-Paradies Finnland.
Die Menschen sahen hysterische Schüler, die über Straßen in dem kleinen Städtchen flüchteten. Schwer bewaffnete Polizei-Sondereinheiten, maskierte Männer mit Gesichtsschutz. Panzerwagen, die durch das Örtchen rollten. Überall weiß-rote Krankenwagen. Was an der Schule im Ortsteil Jokela passiert ist, sei ein "tiefer Einschnitt" in das sichere Gefühl, das viele Finnen bis gestern hatten, sagte Ministerpräsident Matti Vanhanen - es sei ein "Riss im Empfinden der Gesellschaft".
Die Regierung ließ im ganzen Land auf Halbmast flaggen. Hanno Joensivu, Landrat der Kommune Tuusula, sagte der schwedischen Zeitung Dagens Nyheter: "Wir sind alle unter Schock. Ich kannte die Rektorin und die Krankenschwester, ich kannte einige Schüler." Man werde lange trauern, "das hier wird lange bei uns bleiben". Die Tageszeitung "Helsingin Sanomat" schrieb: "Das war der schlimmste Tag, den es je an einer finnischen Schule gegeben hat." Allmählich wird das Ausmaß der Wahnsinns-Tat deutlich:
Die Polizei fand bei ihm einen Selbstmord-Brief, über dessen Inhalt sie sich bis jetzt ausschweigt. Das Jokela-Schulzentrum bleibt bis zum Montag geschlossen.
Mit Material von dpa
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