Mittwoch, 10. Februar 2010

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21.11.2007
 

Kind vernachlässigt

Eltern des toten Schweriner Mädchens festgenommen

In Schwerin ist ein stark unterernährtes Mädchen im Krankenhaus gestorben. Die Eltern wurden am Abend festgenommen - die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Vernachlässigung, morgen wird über Haftbefehle entschieden. Auch das Jugendamt ist in der Kritik.

Schwerin - Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 26-jährigen Vater und die 23-jährige Mutter wegen des Verdachts, ihre Tochter durch Unterlassen getötet zu haben. Am Abend wurden beide festgenommen. Morgen soll das Gericht über einen Haftbefehl entscheiden.

Der Vater hatte gestern Abend einen Notarzt alarmiert, der das offenbar völlig ausgehungerte Mädchen ins Krankenhaus einwies. Dort starb es kurz nach der Einlieferung.

Blick auf Plattenbau-Fassade in Schwerin-Lankow: Keine Hinweise auf Auffälligkeiten?
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DPA

Blick auf Plattenbau-Fassade in Schwerin-Lankow: Keine Hinweise auf Auffälligkeiten?

"Ich war sehr erschrocken, dass es so etwas geben kann", sagte ein Klinik-Sprecher über den Zustand des Kindes. Woran genau das Mädchen starb, muss noch geklärt werden. Oberstaatsanwalt Hans-Christian Pick sagte SPIEGEL ONLINE, der Leichnam werde morgen obduziert.

Nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) wurde das Mädchen mit "erheblicher Unterernährung, starkem Flüssigkeitsverlust und Rötungen im vorderen Halsbereich" ins Krankenhaus gebracht. Caffier reagierte bestürzt auf den Tod des Kindes.

"Es ist für mich unbegreiflich, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder offensichtlich verhungern und verdursten lassen", sagte Caffier. Gerade in Stadtteilen, wo das Miteinander und die Nachbarschaft eigentlich funktionieren sollten, erlebe die Gesellschaft häufig eine fehlende soziale Kontrolle. Hinzu kommt nach Ansicht Caffiers falsch verstandene Rücksicht, bei Krisensituationen die Polizei zu rufen.

Das Mädchen lebte bei seinen Eltern und seiner acht Wochen alten Schwester im Schweriner Stadtteil Lankow. Nach Angaben des NDR teilte sich die Familie die Wohnung mit zwei Hunden und mehreren Katzen.

Es gibt erste Hinweise, dass das Jugendamt über eine mögliche Vernachlässigung in der Familie informiert war. Nach Angaben des Vermieters hatte sich das Jugendamt vor etwa zwei Wochen an ihn gewandt, um einem entsprechenden anonymen Hinweis nachzugehen. Sozialdezernent Hermann Junghans sagte, zwei Mitarbeiter der Behörde hätten die Familie besucht, aber keine Auffälligkeiten festgestellt.

"Das Mädchen war brav und wohlerzogen"

In einer Stellungnahme bestätigte das Schweriner Jugendamt, Kontakt mit der Familie des Mädchens gehabt zu haben. Bestehe der Verdacht, dass das Wohl eines Kindes gefährdet sei, halte man sich an ein "geregeltes Verfahren". Die Sozialarbeiter des Jugendamtes hätten sich auch im aktuellen Fall nach den Vorschriften gerichtet. Details - etwa wie weit die Mitarbeiter den Fall schon bearbeitet hatten - nannte die Behörde nicht.

In dem Haus, in dem die Familie wohnte, gab es nach Angaben des Vermieters immer wieder Streit. Grund dafür seien die Hundehaltung der Familie und eine mangelnde Hausreinigung gewesen. Bei zwei Gesprächen mit der Familie über diese Probleme sei das Mädchen dabei gewesen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Schweriner Wohnungsbaugesellschaft, Wilfried Wollmann. "Das Mädchen war brav und wohlerzogen." Es habe keinerlei Hinweise darauf gegeben, dass etwas nicht in Ordnung gewesen sein könnte.

Bei einem Besuch der Familie hätten zwei Mitarbeiter der Wohnungsbaugesellschaft die Wohnung sauber und ordentlich vorgefunden. Weder die Eltern noch das Mädchen hätten verwahrlost oder auffällig gewirkt. "Das Mädchen war ein schmächtiges Kind, aber die Familie machte einen ganz normalen Eindruck", sagte eine Mitarbeiterin, die die Familie kannte.

ffr/AFP/dpa/AP

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