• Drucken
  • Senden
  • Feedback
29.11.2007
 

Lea-Sophies Beerdigung

Eltern und Stadt-Vertreter durften nicht zur Trauerfeier

Im engsten Kreis ist die verhungerte Lea-Sophie aus Schwerin beigesetzt worden. Das Gericht hatte ihren inhaftierten Eltern verboten, an der Trauerfeier teilzunehmen. Ebenso unerwünscht: die Mitarbeiter des Jugendamtes.

Schwerin - Etwa 30 Trauergäste kamen zur Beerdigung auf den Waldfriedhof der Stadt, um dem fünf Jahre alten Mädchen das letzte Geleit zu geben. Der Beisetzungstermin war geheim gehalten worden. Die kirchliche Versöhnungsgemeinde in Schwerin-Lankow hatte Geld für einen Grabstein gesammelt.

Das Grab des Mädchens ist schlicht gehalten. Rote Rosen und helle Nelken umschließen die Trauerkränze der Großeltern. Auch die Stadt Schwerin hatte einen Kranz geschickt. Auf einem stand: "Du wirst immer in unserem Herzen bleiben." Daneben waren zwei Plüschbären niedergelegt worden.

Es war der ausdrückliche Wunsch der Großeltern von Lea-Sophie, dass keine Vertreter der Stadt an der Bestattung teilnahmen. Auch ihre Eltern waren nicht anwesend. Die 23-Jährige und ihr 26- jähriger Partner sitzen in Untersuchungshaft. Gegen sie wird wegen gemeinschaftlichen Totschlags ermittelt. Ein Antrag des Vaters auf Hafturlaub für die Beisetzung war vom Amtsgericht abgelehnt worden.

Lea-Sophie war am Abend des 19. November in die Klinik gebracht worden und in der Nacht trotz aller Rettungsbemühungen der Ärzte gestorben. Laut Obduktion war sie qualvoll verhungert und verdurstet, weil sie über Monate nicht ausreichend ernährt wurde. Zuletzt wog das Kind nur noch 7,4 Kilogramm.

Ihre Mutter Nicole G. will die Lebensgefahr nicht erkannt haben. Ihr Rechtsanwalt Ullrich Knye sagte in der Sendung "stern tv": "Sie hat nicht wahrgenommen, dass sie in einem lebensgefährlichen Zustand war." Seine Mandantin wolle aber nicht die Schuld von sich weisen, erklärte er. Das Mädchen habe sich bis zur Geburt ihres Bruders vor zwei Monaten völlig normal entwickelt, danach sei es "erziehungsschwierig" geworden.

Dafür, dass Lea-Sophie vor dem Jugendamt versteckt wurde, macht die Mutter nach Angaben Knyes ihren Lebensgefährten, den Vater des Kindes, Stefan T., verantwortlich. Er sei sehr dominant und habe auch den Kontakt zu den Großeltern, den Adoptiveltern von Nicole G., unterbunden, bei denen Lea-Sophie in den ersten zwei Lebensjahren aufgewachsen war.

Nicole G. und Stefan T. hätten mit ihrer Tochter auch drei Jahre lang keinen Arzt besucht, sagte Knye. "Die beiden haben in einer kleinen Welt gelebt, die ihre heile Welt war", erklärte der Anwalt. Sie hätten Lea-Sophie allein erziehen wollen. Knye sagte weiter, Nicole G. habe sich damit einverstanden erklärt, dass ihr zwei Monate alter Sohn zu ihren Adoptiveltern kommt. Er sei bisher in einer Einrichtung des Jugendamts untergebracht.

Der Tod des Mädchens hat die politische Diskussion über Vorsorge zur Verbesserung des Kinderschutzes neu entfacht: Die in der Kritik stehenden städtischen Behörden erarbeiten gegenwärtig einen Prüfbericht, der von einem Gremium des Stadtparlaments begleitet und ergänzt werden soll. Das Jugendamt hatte mehrfach Kontakt zu der Familie von Lea-Sophie, bekam das Mädchen aber nie zu Gesicht. Die Stadt Schwerin sieht aber keine Schuld bei den Behörden.

Unterdessen hat die Berliner Polizei zum dritten Mal innerhalb von vier Tagen Kinder aus verwahrlosten Wohnungen geholt.

jjc/AP/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
alles aus der Rubrik Justiz

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP



TOP