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06.12.2007
 

Verdächtige Plauener Mutter

Gutaussehend, gepflegt, unauffällig

Von Florian Gathmann, Plauen

Neunmal ist Susann F. in Plauen binnen weniger Jahre umgezogen: Das macht die Ermittlungen im Fall ihrer drei toten Säuglinge schwierig. Spuren hat die 28-Jährige kaum hinterlassen. Und diejenigen, die etwas über sie zu sagen wissen, bleiben im Vagen - oder spekulieren wüst.

Plauen - "Hätten die nicht zwei Minuten später kommen können?", sagt die junge Kollegin vom Fernsehen. Seit dem frühen Morgen stand sie vor dem geklinkerten Wohnhaus in der Pestalozzistraße, alle halbe Stunde auf Live-Sendung - aber als die Männer von der Spurensicherung das Gebäude betraten, lief die Kamera nicht.

Ihr grauer Transporter steht seitdem auf der anderen Straßenseite. Die zwei Beamten trugen weiße Overalls, sagten "Nein, keine Aufnahmen in der Wohnung", dann waren sie schon hinter der Tür im dritten Stock verschwunden. Dort harren nun Fotografen und Kameraleute. "Kannst ja 'ne Nummer ziehen", sagt einer.

In diesem Haus hat man zwei der drei Babyleichen gefunden, alle von derselben Mutter, sie steht unter dringendem Verdacht des Totschlags. Wer hier wohnte, ist klar: Susann F. Aber wie sie war, unter welchen Umständen sie lebte - das liegt noch im Dunkeln. Über F.s Lebensgefährten gibt es, außer seinem Alter, 28 Jahre, keine Angaben. Ein Phantomfall, wie es scheint.

In der Pestalozzistraße, oberhalb des Stadtzentrums von Plauen, hat Susann F. bis Anfang des Jahres gewohnt. "Jedenfalls hat sie sich dort seitdem nicht mehr aufgehalten", sagte Bernd Vogel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Chemnitz, SPIEGEL ONLINE. Das Problem: Die 28-Jährige ist in den vergangenen Jahren so oft innerhalb von Plauen umgezogen - neunmal -, dass alle den Überblick verloren haben. Behörden, Ermittler, Nachbarn. "Die hat sich ihrem sozialem Umfeld damit entzogen", sagt eine Bäckereiangestellte in der Ostvorstadt. Dort, in der Knielohstraße auf der anderen Seite des hübschen Stadtkerns, wohnte Susann F. bis zu ihrer Verhaftung vor zwei Tagen.

"Ausschließen kann man nichts"

Nachdem sie der Aufforderung für eine Vorschuluntersuchung ihrer Tochter Celine nicht nachgekommen war - sie wurde 2002 in einem Plauener Krankenhaus geboren, daher wussten die Behörden von ihrer Existenz -, hatte man in der vergangenen Woche die Polizei alarmiert. Die Beamten fanden Celines mumifizierten Körper rasch: in einem Koffer, der im Keller von Susann F.s Großmutter abgestellt war. Erst vor zwei Tagen stießen die Ermittler dann auf die zweite Babyleiche, auf die dritte soll die Tatverdächtige selbst aufmerksam gemacht haben. Eine fand man auf dem Balkon der Wohnung in der Pestalozzistraße, die andere in einer Tiefkühltruhe.

Von den Beamten der Spurensicherung ist nur Gemurmel in der Wohnung zu hören. Laut Staatsanwaltschaft suchen sie nach weiteren Hinweisen, die erklären könnten, wie die 2004 und 2005 geborenen Babys starben. Es würden weiter Zeugen vernommen. "Im Fall der ersten Leiche konnten wir Gewaltanwendung ausschließen", sagt Oberstaatsanwalt Vogel. Nun werden die beiden anderen Leichen in Chemnitzer Institut für Gerichtsmedizin obduziert. Weil das im ersten Fall mehrere Tage dauerte, wird heute allerdings kaum mit einem Ergebnis zu rechnen sein.

Die Körper sind verwest, auch die in der Kühltruhe entdeckte Leiche. Am Nachmittag dann erste Ergebnisse: Es gibt keine Spuren äußerer Gewaltanwendung wie stumpfe Verletzungen oder Schusswunden. Nun folgt eine aufwendige toxikologische und feingewebliche Untersuchung - das kann eine Woche dauern.

Susann F., die sich den Ermittlern gegenüber sonst offenbar sehr kooperativ zeigte, leugnet bisher jede Gewaltanwendung: Alle Kinder seien plötzlich nach der Geburt gestorben - so lautet ihre Version. "Wir haben Probleme, das zu glauben", sagt Staatsanwalt Vogel. Dass man auf weitere Babyleichen stoßen könnte, hält er jedoch für unwahrscheinlich, angesichts von fünf Schwangerschaften in sieben Jahren. "Aber ausschließen kann man nichts."

Von nichts gewusst?

Das Verschwinden von Celine hatte die Tatverdächtige gegenüber ihrem Lebensgefährten damit erklärt, das Mädchen zur Adoption freigegeben zu haben - von den anderen Schwangerschaften will der Mann nichts bemerkt haben. DNA-Proben sollen seine mögliche Vaterschaft klären. Er arbeitet als Monteur, unter anderem in der Schweiz. "Wir haben ihn ausführlich vernommen", sagt Vogel. Es gebe im Moment "keinen weiteren Grund, an ihn heranzutreten". Auch die Verwandten von Susann F. behaupten, sie hätten von den Schwangerschaften der jungen Frau nichts gewusst.

Nachbarn beschreiben F. als "gutaussehend und gepflegt". Sie sei sehr zurückhaltend gewesen - mehr Informationen gibt es noch immer nicht über die Frau, die jahrelang das Wissen um ihre toten Babys mit sich herumtrug.

"Wenn ich jetzt an sie zurückdenke, finde ich, ja, die sah so aus, als hätte sie eine Leiche im Keller." Die Kioskverkäuferin, zwei Straßen um die Ecke von Susann F.s letzter Adresse in der Ostvorstadt, meint das vermutlich nicht böse. Aber so einfach ist das Ganze wohl auch nicht.

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