Tokio - Die Strafen sind archaisch, die Informationspolitik neu: Erstmals teilte die japanische Regierung im Zusammenhang mit Exekutionen die Namen und das Verbrechen der Hingerichteten sowie den Ort der Exekution mit. Bislang war stets nur die Zahl der Hingerichteten genannt worden - und die ist mit bereits neun vollstreckten Todesurteilen im laufenden Jahr nicht eben klein.
Wie Justizminister Kunio Hatoyama mitteilte, reagiere man mit der geänderten Informationspolitik auf Forderungen von Bürgern, darunter auch Verbrechensopfern. Es waren die ersten Hinrichtungen seit seinem Amtsantritt im August dieses Jahres.
Bei den in Tokio Hingerichteten handelt es sich um den 47-jährigen Seiha F., der wegen fünffachen Mordes verurteilt worden war, und den 42-jährigen Räuber und zweifachen Mörder Hiroki F. In Osaka wurde der 74 Jahre alte Noboru I. gehängt, der drei Menschen getötet hatte.
Menschenrechtsorganisationen haben Japan wiederholt für die Anwendung der Todesstrafe kritisiert. Amnesty International begrüßte es, dass Informationen über die Getöteten veröffentlicht wurden, kritisierte die Hinrichtungen aber scharf.
Japan gehört zu den wenigen Industrieländern, in denen die Todesstrafe noch nicht abgeschafft ist. In den Gefängnissen des Landes warten derzeit noch 107 zum Tode Verurteilte auf die Vollstreckung ihrer Strafe. Bis Dezember vergangenen Jahres galt ein 15-monatiges Moratorium, das der damalige buddhistische Justizminister Seiken Sugiura angeordnet hatte.
Im September dann hatte Justizminister Kunio Hatoyama die schnellere Vollstreckung von Todesurteilen verlangt. Bislang muss der Justizminister jede Hinrichtung abzeichnen. Hatoyama will eine "automatische" Vollstreckung ohne weitere Genehmigung durch seine Unterschrift durchsetzen.
ala/AFP/dpa/AP
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