Mülheim an der Ruhr/Hamburg - Der Bambi-Preisträger und Vorsitzende des Vereins "Kinder brauchen uns", Markus Dewender, hat Selbstanzeige wegen Titelmissbrauchs erstattet. Dewender bestätigte damit den SPIEGEL-Bericht, wonach er zu Unrecht einen Ehrendoktor- und einen Doktortitel führe.
Markus Dewender im Hilfseinsatz: "Leichtfertig und unkritisch gehandelt"
Die Hilfsorganisation "Kinder brauchen uns" koordiniert Projekte für kranke und schwer verletzte Kinder aus Afghanistan und organisiert für sie medizinische Hilfe in Deutschland. Ende November war der Verein mit einem Bambi geehrt worden. Der Bambi-Veranstalter Burda will nach der SPIEGEL-Veröffentlichung den Fall unter die Lupe nehmen. "Wir werden das prüfen und behalten uns weitere Schritte vor", sagte ein Burda-Sprecher in München.
Nach Darstellung Dewenders habe eine Firma aus Zürich ihm zunächst den Ehrendoktortitel angetragen und ihn danach zu einem Promotionsverfahren an einer polnischen Universität überredet, wobei Dewender selbst nur die Struktur einer Doktorarbeiten entwerfen sollte. "Ich habe das viel zu unkritisch angenommen", sagte Dewender.
Nach Informationen des SPIEGEL verdankt Dewender seine Ehrendoktorwürde aus dem Jahr 2005 der Yorkshire University, die auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik firmiert und Titel verkauft. Den Doktor der Ökonomie will Dewender im Juni 2006 an der Universität Warschau gemacht haben. Die Universität teilte nach einer durch den SPIEGEL veranlassten Überprüfung der angeblichen Doktorurkunde mit, das Dokument sei eine Fälschung.
Energisch wehrte sich Dewender gegen den Vorwurf, dass seine Adoption zweier afghanischer Kinder von einer für Hilfsorganisationen unprofessionellen mangelnden Distanz zeuge. Die beiden von ihm adoptierten Brüder hätten unter einer schweren Hauterkrankung gelitten, die stete medizinische Betreuung bedürfe. Eines der beiden Kinder sei Ende November gestorben.
Im Januar will der Verein laut Dewender 70 Kinder aus Afghanistan nach Deutschland einfliegen lassen. Andernfalls drohe der Hälfte der Kinder der Tod. Erst im Oktober hatte der Verein in einer Luftbrücke Kabul-Hamburg 59 verletzte afghanische Kinder nach Deutschland gebracht.
phw/dpa
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