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05.01.2008
 

Verbissene Miss Sun Desert

Studentin, Schönheitskönigin - und Kidnapperin

Von Barbara Hans

Sie ist jung, schön, klug - und schwingt Waffen nicht nur für einen Pin-Up-Kalender: Kumari Fulbright, US-Schönheitskönigin und Jurastudentin, wird vorgeworfen, ihren Ex-Freund entführt und stundenlang gequält zu haben. Porträt eines Abstiegs.

Hamburg - Kumari Fulbright war eigentlich auf einem guten Weg. Sie engagierte sich in ihrer Freizeit für eine Organisation, die Obdachlosen Essen bringt, Winterkleidung für arme Kinder sammelt und zu Halloween Rentner in Altenheimen mit Kürbissen verwöhnt. Und weil sie nicht nur gutherzig, sondern obendrein auch hübsch war, hat sie an Schönheitswettbewerben teilgenommen.

2005 gewinnt sie die Vorentscheidung in Pima County, nimmt an der Wahl zur Miss Arizona teil, scheidet aber in der Vorrunde aus. Ihr Hobby, sagt sie, sei Theater spielen. 2006 kämpft sie um den Titel der Miss Desert Sun - die Wahl zur Miss Sonnenstudio qualifiziert sie erneut für die Endausscheidung zur Miss Arizona. Doch es gewinnt erneut eine andere.

Immerhin reichen die Wahlen, um Fulbright ein Hobby zu verschaffen. Auf ihrer MySpace Seite schreibt sie: "Meine einzige Aufgabe ist es, süß auszusehen." Wenn sie sich nicht ihrer Optik widmet, studiert die inzwischen 25-Jährige Jura an der University of Arizona und macht nebenher ein unbezahltes Praktikum bei einem Richter. Manchmal veröffentlicht sie sogar Texte im "Journal of International and Comparative Law".

Laszive Posen - und ein Raub

Im vergangenen Jahr versucht sie noch einmal, berühmt zu werden. Fulbright zieht sich einen schwarzen Latexbikini an und schwingt ein Sturmgewehr. Das Foto aus der Maschinenhalle schafft es immerhin in den Kalender des Waffenhändlers "Subgun". Fulbright wird Miss Mai in einem Kalender, der nach Beschreibung des Vertriebs das bietet, was Männer am liebsten mögen: Frauen und Waffen.

Obendrein hat sie einen Freund, knapp 20 Jahre älter als sie, der ihr Schmuck schenkt - und irgendwann zu ihrem Ex-Freund wird. Und sie hat einen weiteren 24 Jahre alten Ex-Freund, der ihr den Schmuck des Älteren klaut.

Fulbright beschließt, sich zu rächen. Am 8. Dezember soll der Dieb büßen. Sie entwickelt einen Plan, sucht sich Helfer. Neben dem Schenker, Robert Ergonis, helfen dessen Bruder Michael und ein weiterer Freund, Larry Hammond. Man besorgt Plastikhandschuhe, Kabelbinder, Klebeband, Waffen, Munition und Marihuana. Dann lädt Fulbright ihren Verflossenen in ihr Appartment in Tuscon, Arizona, ein.

Zehn Stunden Folter

Als er eintrifft, verabschiedet sie sich. Sie wolle duschen gehen, sagt sie. Dann geht alles ganz schnell: Fulbright verlässt den Raum, die drei Männer tauchen auf, fesseln den Besucher mit Klebeband und Kabeln. Sie beschuldigen ihn, den Schmuck geklaut zu haben, und drohen ihm mit vorgehaltenen Pistolen, ihn zu erschießen. Dann taucht Fulbright wieder auf, beißt ihr Opfer mehrfach. Die Polizei wird später Bissspuren an seinen Unterarmen, seiner rechten Hand und seinen Ohren finden.

Fulbright geht in die Küche, holt ein Fleischermesser. Sie werde ihn umbringen, sagt sie laut Polizeibericht zu ihrem Opfer und sticht ihm mit dem Messer ins Ohr. Mit einer Pistole hält sie ihr Opfer in Schach. Sie und ihre Komplizen stehlen sein Portemonnaie, erbeuten 500 bis 600 Dollar, Handy und Brieftasche, berichtet "CNN.com" unter Verweis auf einen Polizeisprecher.

Knapp zehn Stunden wird der Mann gefoltert, dann gelingt es ihm, eine Hand zu befreien und die Pistole zu ergreifen. Ein Schuss löst sich, verletzt wird aber niemand. Der Mann flüchtet vor die Tür, schreit um Hilfe und rettet sich in ein nahes Haus.

Zehn Tage später ergeht die Anklage gegen Fulbright. Entführung, bewaffneter, schwerer Raub und schwere Körperverletzung werden der Jurastudentin vorgeworfen. Sie wird inhaftiert, aber nach der Zahlung einer Kaution in Höhe von 50.000 Dollar freigelassen. Ihr Komplize Larry Hammond sitzt im Gefängnis. Die Ergonis-Brüder werden per Haftbefehl gesucht, die Polizei geht allerdings davon aus, dass sie sich aus den USA abgesetzt haben.

"Ein besonders netter Mensch"

Tom Hartzell, der Anwalt der Schönheitskönigin, sagte der Zeitung "Arizona Daily Star", dass die kriminelle Vorgeschichte des Opfers seine Glaubwürdigkeit als Zeuge negativ beeinflusse. "Ich bin gespannt, diesen Prozess zu begleiten und zu sehen, wie die Wahrheit ans Licht kommt", sagte der Jurist der Zeitung. "Meine ersten Untersuchungen haben gezeigt, dass das vermeintliche Opfer nicht besonders glaubwürdig ist und bei dem Prozess viel eigenes Gepäck zu schultern haben wird." Das Opfer sei im März wegen Körperverletzung und Ruhestörung angeklagt worden. Laut dem Bericht der Zeitung ist die Anklage aber Anfang Dezember fallen gelassen worden, nachdem das Opfer alle Auflagen erfüllt hatte. Ein Sprecher der Polizei sagte, die Verletzungen des Mannes hätten mit seinen Schilderungen übereingestimmt.

Es sei noch zu früh, um über mögliche Konsequenzen für die Studentin nachzudenken, zitiert "CNN.com" eine Sprecherin der University of Arizona. Der Herausgeber des Waffenkalenders, Jeff Hawley, sagte "ABC News", Fulbright sei ein besonders "netter Mensch". "Wir waren geschockt, als wir von der Geschichte gehört haben."

Aus den Gerichtsunterlagen ist bekannt, was die Ermittler im Haus von Fulbright fanden. Neben den Utensilien zur Entführung lag dort ein Buch. Sein Titel: "Wie man Freunde findet und Menschen beeinflusst".

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