Von Jörg Diehl
Hamburg - Der Freiherr hatte einen Traumjob, ein Traumhaus und - wenn man den Berichten und Bildern aus New York glauben darf - eine Traumfrau. Verlobt mit einer blonden Schwedin lebte er in einer schmucken weißgestrichenen Villa in den Hamptons, dem Wochenendparadies der reichen Großstädter. Dort leitete der damals 34-Jährige die Dependance einer deutschen Maklerfirma.
Es ist nicht so, dass der Adelige mit den gegelten Haaren im Frühjahr des vergangenen Jahres mit seinem Erfolg, seinem Glück gar, besonders diskret umgegangen wäre. Auf der Internet-Seite seines früheren Arbeitgebers protzte der Jurist mit einer Vorzeigevita, in der große deutsche Konzerne und wichtige Positionen auftauchten. Von einem bekannten ZDF-Moderator hatte er sich zuvor bereits in einem Hamburger Luxusrestaurant bekochen lassen - der Schlemmerausflug ließ sich noch lange Zeit im Netz nachvollziehen. Und in den Web-Selbstdarstellungsecken wie Xing und MySpace - in letzterer firmierte er übrigens unter dem Namen "Zofe" - gab der Junker entweder den cleveren Karrieremenschen oder das Schickeria-Partytier.
Dann wurde er verhaftet.
Sollte das Gericht demnächst bestätigen, wovon die örtliche Polizei und Staatsanwaltschaft nach ihren Ermittlungen inzwischen überzeugt sind, dann frönte der Freiherr vor seinem Computer noch ganz anderen, weitaus verabscheuungswürdigeren Gelüsten als dem, sich seiner Eitelkeit hinzugeben.
Die Fahnder verdächtigen ihn, pornografische Aufnahmen von Kindern besessen zu haben. Unter den Hunderten Fotos und Videos, welche die Beamten bei dem Deutschen sicherstellten, sollen einem Bericht der "New York Times" zufolge auch brutale Aufnahmen von missbrauchten Säuglingen und sexuell gefolterten Kindern gewesen sein.
In einer Anhörung vor Richter Thomas C. Platt hat der Adelige sich heute Nachmittag schuldig bekannt, Kinderpornos besessen zu haben, wie der Sprecher der Anklagebehörde, Robert Nardoza, SPIEGEL ONLINE am Abend mitteilte. Deswegen bleibe der Deutsche weiterhin in Haft.
Ihr Mandant sei Teilnehmer "einer Reihe von Rollenspiel-Chats" gewesen, "in deren Verlauf er eine weibliche Identität" angenommen habe, teilte die Verteidigerin des gebürtigen Münchners, Melinda Sarafa, SPIEGEL ONLINE mit. "In diesem Zusammenhang erhielt er die Bilder, für die er nun vor Gericht die Verantwortung übernommen hat."
Laut "New York Times" hatte der Deutsche schon den Ermittlern der Polizei gegenüber eingeräumt, pornografische Aufnahmen mit Kindern gesammelt zu haben: "Letzten Sommer war ich oft betrunken und alleine zu Hause. Ich wurde irgendwie süchtig nach dem Internet. Zu diesem Zeitpunkt fing ich an, Kinderpornos herunterzuladen und zu verbreiten."
Im Falle einer Verurteilung drohen dem Aristokraten bis zu 20 Jahre Gefängnis. Job, Haus und Frau sind dann womöglich weg. Der Traum ist aus.
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