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TV-Geständnis "Die kriegen mich nicht"

2. Teil: "Einzigartige versteckte Kamera-Aktion"

25.000 Euro sind nach de Vries’ Angaben für das geflossen, was er seit Donnerstag als "einzigartige versteckte Kamera-Aktion" bewarb: Ein mit Kameras und Mikrofonen ausgestatteter Geländewagen, mit dem der Lockvogel seinen jungen Freund zu Spritztouren abholte. Ende 2007 begannen die entlarvenden Ausfahrten mit van der Sloot, der sich völlig in Sicherheit wähnte.

Nachdem die Ermittlungen gegen ihn endgültig eingestellt schienen, trat van der Sloot mit seinen Eltern am 10. Januar zum "abschließenden" Interview in einer großen Abendtalkshow auf. Auch Peter R. de Vries war geladen und konfrontierte den äußerlich gelassenen van der Sloot erneut mit seinen Lügen. Nach Ende der Sendung passierte das, was landesweit als "Wein-Vorfall" Schlagzeilen machte. Völlig überraschend schüttete van der Sloot seinem Verfolger Rotwein ins Gesicht.

Schon einen Tag danach traf sich der Lockvogel mit van der Sloot, der nach und nach Details des 30. Mai preisgab und mehrfach gestand, tief in das Verschwinden Holloways verstrickt zu sein. Die Nachricht, dass der für unlösbar gehaltene Fall gelöst sei, schlug in den Niederlanden ein wie eine Bombe. Doch bis zur Ausstrahlung des "exklusiven" Materials in seiner Sendung streute Peter de Vries nur häppchenweise Informationen. "In meiner zweistündigen Sondersendung werden alle Fragen beantwortet", betete er in allen Berichten vor. Am Sonntagabend, gleich nach dem Quotenrenner "Bauer sucht Frau".

"Dann hat sie angefangen, zu zittern"

Zum Beweis, dass es sich bei seiner Recherche um "Weltnachrichten" handle, wurden US-Nachrichtensendungen über den Fall eingeblendet. Danach folgten die detaillierten Aussagen van der Sloots: Er habe mit der betrunkenen Holloway am Strand gelegen, sie hätten sich geküsst und gefummelt, dann sollte sie ihn oral befriedigen. "Dann hat sie angefangen, zu zittern", wenig später sei sie leblos gewesen. "Ich dachte: Scheiße! Und hab sie geschüttelt, geschüttelt."

Auf Nachfrage kann er nicht sicher sagen, dass Holloway tot gewesen sei. Dann habe er einen Freund, "Daury", angerufen, der ein Boot besitze. Dieser habe die Leiche hinausgefahren und über Bord geworfen, während er selbst nach Hause gelaufen sei und sich an den Computer gesetzt habe. Ganz bewusst habe er Spuren im Internet hinterlassen und sei am nächsten Tag wie gewohnt zur Schule gegangen.

Eins ist gewiss: Die Kamera-Aufzeichnungen entlarven Joran van der Sloot als gewissenlosen Aufschneider. "Ich habe nicht eine Nacht wach gelegen deswegen", die Behörden seien "so dumm. Die kriegen mich nicht", prahlt er grinsend, während er sich einen Joint nach dem anderen ansteckt. Seinen Freund "Daury" hätte die Polizei nicht einmal befragt. Er bezeichnet Holloway als "Hure" und brüstet sich damit, dass er die Schlagzeilen gegen ihn "missbraucht" und "einen fetten Schadensersatz kassieren" will.

"Die Hölle auf Erden"

Mit diesem Material konfrontierte de Vries die eigens aus den USA eingeflogene Mutter Natalee Holloways, Beth Twitty. Die Reaktion der geschockten Mutter wurde gleich im Anschluss an die Autoverhöre präsentiert. Millionen Zuschauer konnten Twittys Racheschwur auf dem Bildschirm erleben: "Ich dachte, das Leben von Joran wäre bereits die Hölle auf Erden, aber es fängt jetzt erst an, es fängt jetzt erst an", murmelt die blonde Frau in die Kamera, während sie ihre Hände reibt. "Er ist es nicht wert, auf dieser Erde zu leben." Peter R. de Vries, im roten Ledersessel neben ihr sitzend, pflichtet der fassungslosen Amerikanerin bei.

Das Ergebnis: Quotenrekord für die Sondersendung. Mit sieben Millionen Zuschauern erreichte de Vries so viele Menschen, wie sonst nur die Fußballnationalmannschaft zur WM. Doch viele Fragen bleiben offen. Vor allem: Wie viel Wahrheit steckt in den Aussagen des Mannes, der diese noch vor der Ausstrahlung als "gelogen" und "große Dummheit" bezeichnete? Er habe seinem Freund imponieren wollen und erzählt, was dieser wohl hören wollte.

Joran von der Sloot hat sich bereits mehrfach in Lügen verstrickt, seine Glaubwürdigkeit hat gelitten. Gibt es diesen Freund "Daury" wirklich, ist es eine Person oder mehrere und wer verbirgt sich dahinter? Was war die Ursache für den Tod Natalees - und war sie überhaupt tot, als sie ins Meer geworfen wurde? Wurde sie überhaupt ins Meer geworfen? Und vor allem: Wie verwertbar sind die versteckten Aufnahmen für weitere Ermittlungen?

Eine weitere Voruntersuchung wurde eröffnet, aber einen Haftbefehl gegen den mittlerweile untergetauchten van der Sloot gibt es nicht. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft "könnte diese Version der Fakten nah an die Wahrheit kommen", sei aber nach Ansicht des arubanischen Untersuchungsrichters nicht ausreichend für eine Untersuchungshaft.

Sicher ist: Heute um 16.25 Uhr wird die quotenträchtige Ausstrahlung wiederholt, ab 18 Uhr gibt es Specials zum Umfeld und zu den internationalen Reaktionen auf die "Weltnachrichten". Die Rechte für die Ausstrahlung in den USA hat sich ABC gesichert.

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