Berlin - Bei einer weltweit koordinierten Razzia gegen eine 50-köpfige Bande von Kinderpornografieanbietern ist die Polizei auch gegen Verdächtige aus Deutschland vorgegangen. Die von der Frankfurter Staatsanwaltschaft geführten Ermittlungen richteten sich gegen vier Deutsche und einen Thailänder im Alter von 22 bis 66 Jahren, teilte das Bundeskriminalamt mit.
Die Beschuldigten stammen aus Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg. In ihren Wohnungen entdeckten die Ermittler große Mengen an belastendem Material. Die Mitglieder des Rings produzierten und tauschten im Internet kinderpornografische Bilder, Videos und Texte aus. Zur Verschleierung hatten die Täter laut BKA unterschiedliche Online-Foren und verschiedene Verschlüsselungstechniken benutzt.
Allein in einem Fall habe die sichergestellte Datenmenge die riesige Größe von drei Terabyte betragen. Wie heute bekannt wurde, ist ein 66-Jähriger Mann aus Sinsheim in Baden-Württemberg bereits am Freitag vorübergehend festgenommen worden, als die Polizei gegen den Ring vorging.
Die Ermittler gehen davon aus, dass sich der Kreis der Verdächtigen noch erweitert. "In der Regel ist bei einer solchen Menge an Beweismaterial damit zu rechnen", sagte eine BKA-Sprecherin.
Eine Sondereinheit der australischen Polizei hatte die Ermittlungen koordiniert und war dem Ring seit Januar 2006 auf der Spur. Außer deutschen und amerikanischen waren ebenfalls britische und kanadische Dienststellen beteiligt. Den australischen Angaben zufolge wurden weltweit 22 Mitglieder des Rings und mehr als hundert Menschen festgenommen, die mit dem pornografischen Material Geschäfte machten. Insgesamt waren den Fahndern bei der Aktion 23 Verdächtige ins Netz gegangen, darunter 14 in den USA und je zwei in Großbritannien und Australien.
Die britische Polizei hat nach eigenen Angaben bislang acht der missbrauchten Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren auf den Bildern identifiziert und aus ihren Familien gerettet. Sechs mutmaßliche Kinderschänder seien in Haft. Über Missbrauchsfälle in Deutschland wurde bisher nichts bekannt.
dek/dpa/ddp/reuters
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