Von Marc Pitzke, New York
Der Supreme Court setzte den Fall "Baze v. Rees", Aktenzeichennummer 07-5439, überraschend schnell auf die Tagesordnung. Todesstrafengegner, die daraufhin vermuteten, das Gericht neige ihren Argumenten zu, sahen sich aber erstmals im Januar enttäuscht, als der Fall in Washington zur mündlichen Verhandlung kam. Die konservativen Richter bezweifelten die Berechtigung der Klage im Allgemeinen - und die eher progressiv geneigten Richter zweifelten an der Beweislast.
Zur Debatte stand nicht die Hinrichtung als solche, die der Supreme Court als verfassungsgemäß aufrechterhalten hat und die in Meinungsumfragen von der breiten Mehrheit der US-Bürger befürwortet wird. Zur Debatte stand hier nur die Art der Hinrichtung.
Die alternative Einzelgift-Methode, wie sie beim Einschläfern von Tieren verwendet wird, sei am Menschen unerprobt, sagte Chefrichter Roberts. Damit mache sich diese Option für künftige Verfassungsklagen anfällig. Die Kläger hätten nicht ausreichend nachgewiesen, dass das Schmerzrisiko bei dem Giftcocktail eine grausame Bestrafung darstelle. Außerdem sei die Hinrichtung mit nur einem Gift weniger "würdevoll", fügte er hinzu - weil der Todeskampf ohne Muskellähmung für alle Zeugen sichtbar sei.
Der achte US-Verfassungszusatz verbietet "grausame und unübliche Bestrafung". Dies beziehe sich jedoch nur auf Hinrichtungsarten, "die absichtlich dazu dienen, Schmerz zuzufügen", schrieb Roberts in seiner Mehrheitsmeinung - also mittelalterliche Methoden wie "Ausweiden, Enthaupten, Vierteilen, Zergliedern und bei lebendigem Leibe verbrennen". Roberts: "An diesem Standard gemessen ist dies ein einfacher Fall."
Das Gericht verhandelte dann im weiteren Verlauf des Tages noch darüber, ob die Todesstrafe auch für Straftäter möglich sein soll, denen Vergewaltigung von Kindern zur Last gelegt wird. Nicht weiter befasste es sich dagegen mit den zahlreichen Giftspritzen-Exekutionen, bei denen die Delinquenten offenbar an schweren Qualen litten.
Dutzende Fälle von verpatzter "staatlichen Vergiftung"
Zum Beispiel die Hinrichtung des Gang-Führers Stanley "Tookie" Williams im Dezember 2005: Da konnten die Henker keine Vene im Arm finden. Die Prozedur dauerte mehr als eine halbe Stunde.
Ein anderer, Lloyd Lafevers, starb 2001 von Muskelkrämpfen geschüttelt. Jose High wurde im selben Jahr erst 69 Minuten nach der ersten Spritze für tot erklärt, nachdem eine Spritze in seinen Hals gesetzt werden musste. Der jüngste Bericht von Amnesty International vom Oktober 2007 listet Dutzende solcher Fälle von verpatzter "staatlichen Vergiftung" auf.
Eine Studie im "Fordham Urban Law Journal", die im Mai in Gänze veröffentlicht wird, ergab: Fast alle Staaten, die Pancuroniumbromid einsetzen, verbieten denselben Stoff zum Einschläfern von Tieren.
Nach Angaben des "Death Penalty Information Center" sitzen derzeit 3262 Verurteilte in den US-Todeszellen. Die meisten Todeskandidaten gibt es in Kalifornien (669 Insassen), gefolgt von Florida (388) und Texas (370). Im vergangenen Jahr wurden, bevor das Moratorium in Kraft trat, 42 Amerikaner hingerichtet - alle per Giftcocktail. Seit Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 gab es in den USA demnach 1099 Exekutionen.
Bundesrichter John Paul Stevens, ein eher liberales Mitglied des Supreme Court, stimmte der Mehrheitsmeinung im vorliegenden Fall zwar zu, distanzierte sich zugleich jedoch von der Todesstrafe generell. Als das Gericht diese 1976 wiedereingesetzt habe, habe es dazu drei Rechtfertigungen formuliert: "Das Unschädlichmachen des Straftäters, Abschreckung und Vergeltung." All das sei inzwischen überholt: "In den vergangenen drei Jahrzehnten ist jedes dieser Argumente in Frage gestellt worden."
Wie Menschen hingerichtet werden
Giftspritze
Bei der angeblich besonders "humanen" Hinrichtungsart können jedoch Probleme auftreten. Werden die Substanzmengen falsch berechnet oder die Mittel zu früh gemischt, verlängert sich der Sterbevorgang. Verzögert sich die Wirkung des Betäubungsmittels, ist das Opfer möglicherweise noch bei Bewusstsein, wenn die Lähmung der Lunge eintritt. Zudem kommt es vor, dass statt in eine Vene in Muskelfleisch injiziert wird - das Opfer erleidet dann starke Schmerzen.
Elektrischer Stuhl
Gaskammer
Strang
Erschießen
Enthauptung/Guillotine
Steinigung
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