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27.04.2008
 

Inzesttragödie in Österreich

Das Martyrium der Elisabeth F.

Die Details dieses unfassbaren Kriminalfalls sind grausig und erschütternd: Der Österreicher Josef F. sperrte seine Tochter Elisabeth ein - 24 Jahre lang. Er zeugte sieben Kinder mit ihr, drei von ihnen sahen nie Tageslicht. Als eines tot zur Welt kam, verbrannte er die Leiche.

Amstetten - Warum hat niemand etwas bemerkt? Wie war es möglich, dass dieses Verbrechen unentdeckt blieb - 24 Jahre lang? Wie konnte das nur geschehen?

Der Inszest- und Missbrauchsfall von Amstetten wirft Fragen auf, wie sie immer laut werden, wenn Details eines geradezu ungeheuren Verbrechens ans Licht kommen.

Wie jetzt in der niederösterreichischen Gemeinde Amstetten: Dort soll der Unternehmer Josef F. seine Tochter Elisabeth 24 Jahre lang eingesperrt, sie missbraucht und sieben Kinder mit ihr gezeugt haben. Die sechs überlebenden sind heute 19, 18, 15, 14, 12 und 5 Jahre alt.

Seit 1984 galt Elisabeth F. als verschwunden. Ihr Vater hatte seine Nachbarn und Bekannten Glauben gemacht, sie sei weggelaufen, habe sich einer Sekte angeschlossen.

Drei der Kinder, die Elisabeth F. in Gefangenschaft gebären musste, lebten offiziell bei Josef F. und seiner Frau im Haus, waren offenbar auch den Behörden gemeldet. Die Sekte, bei der Elisabeth F. angeblich lebte, dulde diese Kinder nicht. Seine vermisste Tochter habe ihm die Babys "vor die Haustür gelegt", gab F. gegenüber Bekannten und Nachbarn an.

Was sich wirklich hinter den Mauern des hellen Betonbaues in Amstetten abspielte, sagte Elisabeth F. nach ihrer Befreiung bei der Polizei aus: Sie sei bereits seit ihrem elften Lebensjahr immer wieder von ihrem Vater vergewaltigt worden. Sie gab an, Josef F. habe sie im August 1984 in den Keller gelockt, gefesselt und eingesperrt.

Wo im Haus sich das Verlies genau befand, in dem Elisabeth F. und die drei weiteren Kinder eingesperrt waren, ist bislang nicht bekannt.

Auf einer Pressekonferenz des niederösterreichischen Landeskriminalamts hieß es heute allerdings, die 19-Jährige, der 15-Jährige und der 5-Jährige hätten "noch nie Tageslicht gesehen".

"Äußerst verstörter psychischer Eindruck"

Der Fall kam erst ans Licht, als die 19-jährige Kerstin schwer erkrankte. Nach Informationen von SPIEGEL TV bestand Elisabeth F. gegen den anfänglichen Widerstand ihres Vaters darauf, dass ihre Tochter ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Die Polizei versuchte daraufhin erneut, die 42-Jährige ausfindig zu machen.

Nach Angaben der Polizei machte Elisabeth F. einen "äußerst verstörten psychischen Eindruck" und war "in schlechter körperlicher Verfassung", als man sie fand. Erst nach einem längeren Gespräch und der Zusicherung, dass es zu keinem Kontakt mit dem Vater mehr kommen und auch für ihre Kinder gesorgt werde, war sie zu einer umfassenden Aussage bereit.

Die 19-Jährige Kerstin befindet sich immer noch im Krankenhaus, liegt auf der Intensivstation.

Parallelen zum Fall Kampusch

Der neue Fall aus Amstetten weckt Erinnerungen an Natascha Kampusch, die 1998 im Alter von zehn Jahren verschleppt worden war und von ihrem Entführer in einem Kellerraum seines Hauses eingesperrt wurde. Sie konnte sich erst achteinhalb Jahre später im Sommer 2006 befreien.

Für Erschütterung sorgte auch der Fall einer psychisch kranken Mutter in der Nähe von Linz, die ihre drei Töchter sieben Jahre lang eingesperrt hatte.

pad/hoc/dpa/AFP/AP

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